Saisonales Gemüse aus der Region. Gesichtspflege aus dem Naturkosmetikregal. Stofftaschen, damit Plastiksäcke an der Kasse dankend abgelehnt werden können: Hin und wieder tun viele Menschen etwas, «weil es gut für die Umwelt ist». Wie handhaben Sie das, liebe Mitarbeitende? Was ist Ihnen in dieser Hinsicht wichtig? Zu diesem Thema haben wir drei spannende Gespräche geführt. Lassen Sie sich inspirieren!
Katrin Reim wäscht ihre reBox, damit sie für das nächste Mittagessen wieder einsatzbereit ist.
Katrin Reim wäscht ihre reBox, damit sie für das nächste Mittagessen wieder einsatzbereit ist. Bild: Julia Zosso

Katrin Reim ist Leiterin der Geschäftsstelle Alumni und sagt, ihr sei ein ökologischer Lebensstil «mittelwichtig». Damit ist nicht gemeint, dass ihr die Umwelt nur halbwegs am Herzen liegt. Im Gegenteil. Sie erklärt: «Es gibt aber persönliche Ziele und Bedürfnisse, die ich über die Nachhaltigkeit stelle.» Etwa wenn es ums Reisen gehe, nehme sie zum Beispiel das Fliegen in Kauf. «Solange aber keine Zielkonflikte mit Dingen bestehen, die mir wichtig sind, trage ich definitiv meinen Teil zu einem nachhaltigen Umgang mit der Umwelt bei», so Reim. Was das für ihren Alltag heisst, wird anhand einer Aufzählung deutlich: «Bei Gemüsen, Früchten und Milchprodukten kaufe ich konsequent BIO. Ich trenne Glas, Karton und PET und achte bei Kleidern wenn möglich darauf, Marken mit gutem Image in Sachen Social Responsibility zu kaufen.» Katrin Reim hat ausserdem immer eine Wasserflasche zum Nachfüllen dabei und bewegt sich Autofrei, das heisst mit ÖV, Velo oder Mobility-Carsharing, durchs Leben.

Müsste sie persönliche, für alle einfach umsetzbare Nachhaltigkeitstipps abgeben, wären es zwei Dinge, die sie mittlerweile selbst erfolgreich in ihren Alltag integriert hat. Erstens: Wer Kaffee möge und des Öfteren um die Ecke sein «Lieblingsgetränk-to-go» hole, könne eine herkömmliche Tasse mitnehmen und damit der Pappbecherflut Paroli bieten. Zweitens: Wer regelmässig bei Take-away-Läden sein Mittagessen einkaufe, könne ein «Töpperli» einpacken oder sich bei «Recircle» eine mikrowellentaugliche «reBOX» bestellen.

Allgemein ist Reim überzeugt, dass Auswirkungen, welche die Leute persönlich betreffen und mit denen sie sich im Alltag konfrontiert sehen – in ihrem Fall etwa die Abfallberge in der Cafeteria –, eher zu Aha-Erlebnissen führen, die dann auch ein Umdenken hervorrufen.

Nach bestem Wissen und Gewissen

Marco Köchli mit einem der Stoffbeutel, die er zur Vermeidung von Plastiktüten immer und überall dabei hat.
Marco Köchli mit einem der Stoffbeutel, die er zur Vermeidung von Plastiktüten immer und überall dabei hat. Bild: Julia Zosso

Auch Marco Köchli, Leiter Support Management am Departement Gesundheit, der gemäss eigenen Aussagen viel Wert auf einen ökologisch nachhaltigen Lebensstil legt, erinnert sich an solche Schlüsselerlebnisse. Als er 22-jährig die USA bereiste, erlebte er mit, wie Leute während eines Einkaufs im Supermarkt ihren Automotor laufen liessen, nur um hinterher zurück in ein kühles Transportmittel steigen zu können. Dieses und ähnliche Erlebnisse, etwa die Begegnung mit Abfallbergen an den Stränden Hawaiis, stimmten ihn nachdenklich. In solchen Situationen fühle man sich machtlos und was man als einzelne Person tun könne, erscheine wie ein Tropfen auf den heissen Stein. Trotzdem will Marco Köchli sich nicht aufhalten lassen. Er denke einfach, «ich mache es anders».

«Anders» heisst für Köchli, «nach bestem Wissen und Gewissen mit gutem Beispiel voranzugehen». So thront auf seinem Hausdach heute eine Photovoltaikanlage. Den Ökostrom, den er damit generiert, speist er in eine Batterie und kann damit den gesamten eigenen Energiebedarf decken. Ausserdem fährt Marco Köchli mit dem E-Bike zur Arbeit und nutzt für private Zwecke seit Jahren ein Elektroauto. Auch Flugreisen kämen hin und wieder vor, sagt er. Diese würden dann aber mittels CO2-Beiträgen in nachhaltige Projekte kompensiert.

Weniger ist manchmal mehr

Marco Köchli ist überzeugt, dass sich jeder an der Nase nehmen kann, wenn es um ein nachhaltiges Verhalten geht. Hinzuschauen, woher ein Produkt komme und wie es produziert wurde sowie ab und zu auch einmal auf etwas zu verzichten, tue uns nicht weh.

Jan Grenz vor der Trockenmauer auf dem Campus der HAFL. Sie wurde von verschiedenen Mitarbeitenden gebaut und dient als eine Art Biotop für verschiedene Pflanzen und Tiere.
Jan Grenz vor der Trockenmauer auf dem Campus der HAFL. Sie wurde von verschiedenen Mitarbeitenden gebaut und dient als eine Art Biotop für verschiedene Pflanzen und Tiere. Bild: Julia Zosso

Damit einig ist auch Jan Grenz, Dozent für Nachhaltigkeit an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften. Auch er ist der Überzeugung, dass wir hin und wieder auf Dinge verzichten sollten und wünscht sich, er wäre in seinem eigenen Verhalten manchmal konsequenter. Doch das Leben bestehe eben immer auch aus Zugeständnissen und Kompromissen, erklärt er. So kämen zur ökologischen Komponente der Nachhaltigkeit umgehend die soziale und die wirtschaftliche hinzu. Sich ökologisch nachhaltig zu verhalten, sei entsprechend eine grosse Herausforderung.

Aktuell beschäftigt Jan Grenz zum Beispiel die Frage, ob er für einen Projekteinsatz im Ausland die lange Reise per Zug in Kauf nehmen oder lieber etwas mehr Zeit im Kreis der Familie verbringen will. Studien belegten, so Jan Grenz, dass gerade der Faktor Zeit bei solchen Entscheidungen zentral sei. Habe man wenig Zeit, wähle man oft die bequemere Lösung. Und das sei dann eben auch häufig diejenige, die mehr Müll verursache oder mehr Emissionen.

Zu viele Wenn und Aber?

Tipp

Suchen Sie Tipps, wie Sie Ihren Alltag nachhaltiger gestalten können? www.wwf.ch/nachhaltig-leben

Auf die Frage, ob wir in Anbetracht der Entwicklungen – wir erinnern uns schon nur an den letzten Sommer – nicht einfach endlich handeln sollten, meint Grenz: «Natürlich, aber ganz so einfach ist es nicht.» Denn unsere Gesellschaft baue auf einem Geld- und Wirtschaftssystem auf, das uns zwar grossen Wohlstand gebracht habe, aber auf einem Wachstumsprinzip basiere – also darauf, dass wir immer mehr konsumieren. Wenn der Konsum in diesem System wegfalle, dann bestehe das Risiko, dass das ganze System zusammenbreche und es zu einer Rezession kommen könnte.

Eine allgemeingültige Lösung für dieses Problem wurde bisher noch nicht gefunden. Dennoch will Jan Grenz nicht schwarzmalen: Allgemein gebe es nämlich auch viel Positives zu berichten. Es werde viel mehr über das Thema «Nachhaltigkeit» geredet, es werde mehr unternommen und auch technisch seien wir deutlich weiter als noch vor ein paar Jahren. Nicht zuletzt sieht der Dozent für Nachhaltigkeit auch bei seinen Studierenden eine tolle Entwicklung, denn jede Generation von Absolventinnen und Absolventen denke in dieser Hinsicht etwas umfassender.

Umfrage

Machen Sie sich über Ihr eigenes Verhalten in Sachen Nachhaltigkeit Gedanken?
Wann haben Sie das letzte Mal einen Plastiksack dankend abgelehnt und Ihren Mehrwegbeutel gezückt?
Wie häufig nutzen Sie am Mittag Einweggeschirr oder –tüten?

Dieser Beitrag gefällt mir

7+

Beiträge, die Sie auch noch interessieren könnten: