Indonesien ist der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt und eine riesige Volkswirtschaft, die gut ausgebildete Fachkräfte braucht. Die BFH bringt im Rahmen eines Projekts ihre Expertise ein, um die Qualität der höheren Berufsbildung vor Ort weiter zu erhöhen.
Auszubildende an einer Drehmaschine
Auszubildende an einer Drehmaschine. Bild: Swisscontact

Center for Development and
Cooperation (CDC)

Das Center for Development and Cooperation (CDC) setzt sein Fachwissen in den Bereichen Holz und Bau für die Entwicklung von Kompetenzen und Fähigkeiten in Schwellen- und Entwicklungsländern ein. Damit stärkt es Individuen, Institutionen und Systeme aus Bildung, Forschung und Wirtschaft und trägt zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. Die BFH leistet so einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030.

Indonesien ist eines der Schwerpunktländer des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), das im Inselstaat mit dem Projekt «Skills for Competitiveness S4C» im Bereich der höheren Berufsbildung unter anderem gemeinsam mit der BFH aktiv ist. «Indonesien verfügt grundsätzlich über gute Schulen. Trotzdem bringen die jungen Fachkräfte nach Abschluss der Ausbildung oft nicht die Qualifikationen mit, die von der Wirtschaft verlangt werden», erklärt Markus Schär, Leiter des Center for Development and Cooperation (CDC) der BFH. Die Folge: Es sei für viele der 1,7 Millionen jungen Menschen, die jedes Jahr neu in den Arbeitsmarkt kommen, schwierig, eine Stelle zu finden. Das führe wiederum dazu, dass die Wirtschaft nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen könne.

Projekt «Skills for Competitiveness»

Die indonesische Regierung hat das Problem erkannt und eine Initiative gestartet, um im ganzen Land verteilt insgesamt zwölf thematische Industrieparks aufzubauen. Diese umfassen auch je eine Schule zur Ausbildung der gewünschten Fachkräfte – genannt Polytechnics. «Ein Polytechnic kann man sich als eine Mischung zwischen höherer Fachschule und Fachhochschule vorstellen, die in der Regel zwei-, drei- oder vierjährige Studiengänge anbietet», erklärt Oliver Jancke vom CDC. Das SECO unterstützt im Grossprojekt den Aufbau von fünf Hochschulen durch ein von Swisscontact geleitetes Konsortium, dem die BFH angehört. Swisscontact ist eine wirtschaftsnahe, unabhängige Stiftung für internationale Entwicklungszusammenarbeit. Das Konsortium leistet sogenannte Technical Assistance und wird vom SECO finanziert. Der Rest des Projekts zum Aufbau und zur Optimierung der Schulen wird von der indonesischen Regierung finanziert.

Expertise der BFH

Die BFH – konkret das Center for Development und Cooperation (CDC) – bringt als Expertenorganisation Wissen und Erfahrung in verschiedenen Bereichen ein. Zum einen gibt sie Inputs in Bezug auf den Aufbau und die Organisation einer Hochschule. Zum anderen unterstützt sie zum Beispiel das Definieren von Curricula sowie die Frage, wie die Bedürfnisse der Wirtschaftspartner effizient und stetig einfliessen können. «Es geht um Industrievernetzung», sagt Markus Schär. Praxisorientierung als Stichwort greife hier aber zu kurz, wie Oliver Jancke erläutert: «Die Ausbildung muss natürlich praxisorientiert sein, sollte sich aber nicht auf die schulinterne Werkstatt beschränken. Das heisst, die Studierenden müssen während der Ausbildung auch im Betrieb arbeiten und die Realität kennenlernen. Ebenfalls sollten Fachleute aus den Betrieben in den Schulen Herausforderungen und Wissen aus der Praxis vermitteln. Nur so kann die Ausbildung den Bedürfnissen der Wirtschaft entsprechen.» Das klingt zwar einfach, «aber auch bei uns in der Schweiz sind das System sowie die Akzeptanz und die Mechanismen dafür über Jahrzehnte entstanden», sagt Markus Schär.

Nachhaltig auf mehreren Ebenen

Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Bildungsinstitutionen, das duale Bildungssystem, wie wir es in der Schweiz kennen, ermögliche eine nachhaltige Ausbildung, wie Markus Schär weiter ausführt. Deshalb sei die Schweiz angefragt worden, Indonesien in diesem Bereich zu unterstützen. Die Zusammenarbeit sei aber auch für die Schweiz wertvoll. Es sei eine Chance zu prüfen, ob unser System den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sei. Auch die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit sei ein Thema. «Je besser die Leute in einem produzierenden Betrieb ausgebildet sind, desto weniger Ressourcen werden verschwendet und desto mehr Wertschöpfung entsteht», erklärt Oliver Jancke.

Netzwerk als Schlüssel

Wie kommt es, dass gerade die BFH für dieses Projekt angefragt wurde? «Solche Projekte entstehen häufig über Kontakte», erläutert Markus Schär. Deshalb sei ein gutes Netzwerk vor Ort so wichtig. Dieses könne zum Beispiel durch die Teilnahme an Konferenzen oder durch Praktika von BFH-Studierenden vor Ort gestärkt werden. «Natürlich ist auch entscheidend, dass wir neben spezifischem Fachwissen und unseren eigenen Erfahrungen im Hochschulmanagement zusätzlich Umsetzungsexpertise aus vielen Projekten in ähnlichem Kontext mitbringen», führt Oliver Jancke weiter aus.

Das Projekt ist angelaufen

Baustelle im Industriepark
Baustelle im Industriepark. Bild: Swisscontact

Aktuell werden Workshops durchgeführt, etwa für den Aufbau eines neuen Studiengangs im Bereich Lebensmittelwissenschaften. Hierbei erarbeiten Vertreter von Wirtschaft und Polytechnics gemeinsam das Kompetenzprofil. «Diese Workshops fanden alle sehr spannend, denn so etwas haben sie in dieser Form noch nie gemacht», so Oliver Jancke. Fast noch wichtiger als das Curriculum «sind die Kontakte, die dabei zwischen Wirtschaft und Polytechnic entstehen.» Die Workshops führe Swisscontact mit lokalen Mitarbeitenden durch, wobei die BFH als Expertenorganisation gegebenenfalls konkrete Inputs geben könne, wie diese Workshops angegangen, aufgebaut und durchgeführt werden könnten. Bei der Polytechnic für die Möbel- und Holzindustrie, deren neues Schulgebäude aktuell im Aufbau ist, fliesse zusätzlich die Fachexpertise im Bereich Holz ein, beispielsweise für den Aufbau des Maschinenparks.

Den lokalen Kontext respektieren

Wichtig sei das Bewusstsein für den lokalen Kontext. «Manchmal hat man das Gefühl, man könne die lokalen Gegebenheiten relativ rasch überschauen. Doch hin und wieder spricht man dann doch nicht vom Gleichen», erzählt Oliver Jancke. Manches erscheine auf den ersten Blick seltsam. Erst drei, vier Monate später, mit mehr Informationen und einem besseren Verständnis für den Kontext werde plötzlich klar, warum etwas genau so gemacht werden müsse. Deshalb seien einheimische Projektmitarbeitende so wichtig.

Markus Schär hält ausserdem fest: «Wir geben nicht nur Wissen und Fähigkeiten weiter, sondern wir lernen auch. Wir stellen uns selbst in Frage und können unsere Erfahrungen spiegeln» und er ergänzt: «Wir werfen einen Blick über den Tellerrand des Berner Mittellands, um zu sehen, wie es andernorts funktioniert.»

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