Ihr eigenes Innenarchitekturbüro gab sie auf, weil sie im Team arbeiten wollte. «Ich glaube nicht, dass man Dinge allein tun muss», sagt Andrea Grasser, die Wert auf eine gute Zusammenarbeit legt und «ellbögeln» für absolut unnötig hält. Ihren Ausgleich zum Beruf findet sie im Tango.
Andrea Grasser

Früher sei Holz für sie ein Baumaterial wie viele andere gewesen, erklärt Andrea Grasser, Dozentin und stellvertretende Bereichsleiterin an der Höheren Fachschule Holz (HF Holz) und im Departement Architektur, Holz und Bau in Biel. Inzwischen habe sie an der BFH sehr viel gelernt über Holz und Holzverarbeitung sowie über Unternehmen in einer Branche, die oft sehr innovativ ist. Und sie habe festgestellt, dass «die Hölzigen» extrem stolz auf ihren Beruf sind.

Vom Einfraubetrieb zur Hochschule

Andrea Grasser lernte ursprünglich Hochbauzeichnerin, studierte später Innenarchitektur und Szenografie und eröffnete danach das Innenarchitekturbüro «Wunschraum». «Ich war so eine One-Woman-Show. Am Anfang war mir nicht bewusst, wie schwierig es ist, wenn man alles allein macht», erklärt sie und ergänzt: «Nach elf Jahren als selbstständige Innenarchitektin und so gegen 40 hatte ich das Gefühl, dass nochmals etwas passieren muss, und ich wollte gern im Team arbeiten.» So kam sie 2012 zur BFH, wo sie seither an der HF Holz angestellt ist und auch im Bachelorstudiengang Holztechnik unterrichtet – dies wie an der AHB üblich auch mehrsprachig (siehe Kasten). Ihre Themen sind Innenausbauplanung, Gestaltung, Bauprozessmanagement, Terminplanung, Kostenplanung – alles, was von der baulichen und planerischen Seite herkommt. «In verschiedenen Projektwochen bin ich ausserdem im Bereich Projektentwicklung tätig und engagiere mich für das Thema Innovationsmanagement», so Grasser. Die Unterrichtstätigkeit nehme 50 bis 60 Prozent ihres Vollzeitpensums in Anspruch, die restliche Zeit fliesse in Leitungsaufgaben und Engagements in der Weiterbildung.

Brücken bauen als Motivation

«Planen und Bauen ist Teamwork, davon bin ich überzeugt und das versuche ich den Studierenden zu vermitteln», sagt Andrea Grasser und ergänzt: «Nur mit einer gut funktionierenden Zusammenarbeit aller Beteiligten wird ein Bauprojekt gut.» Es gebe einen Graben zwischen den Fachleuten der Architekturbüros, Unternehmen und Handwerksbetrieben. «Sie denken und reden ganz unterschiedlich», sagt Andrea Grasser. Das ändern zu wollen, sei zwar ein Ding der Unmöglichkeit, aber sie wolle dennoch daran arbeiten. Als Innenarchitektin konfrontiere sie die Studierenden mit dieser Andersartigkeit, was für diese eine Chance sei. Sie ist überzeugt: Nach dem Berufseinstieg merken die Studierenden, dass es hilfreich ist, wenn man weiss, wie die anderen arbeiten.

Perfektion mit Stil

Der Kleider- und Schuhstil gehört für Andrea Grasser beim Tangotanzen dazu
Der Kleider- und Schuhstil gehört für Andrea Grasser beim Tangotanzen dazu. Bild: zvg

Seit etwa sieben Jahren tanzt Andrea Grasser Tango als körperlichen Ausgleich zur Arbeit. Zum Tango kam sie durch ihren Lebenspartner. Heute sind die beiden ein- bis zweimal pro Woche an einer so genannten Milonga, einem Tanzabend, anzutreffen. Tango ist ein technisch sehr anspruchsvoller Tanz, was die Perfektionistin in Andrea Grasser forderte. Etwa drei Jahre habe sie gebraucht, bis sie sich traute, mit anderen zu tanzen. «Inzwischen bin ich sicher auf den Beinen und halte mich für eine gute Tänzerin», sagt sie und ergänzt: «Man darf nicht vergessen: Tango wird in Stilettos mit etwa 8 cm Absätzen getanzt. Andere können mit solchen Schuhen nicht mal laufen». Man könne natürlich auch mit flachen Schuhen tanzen, aber für sie gehöre der Kleider- und Schuhstil dazu.

Ganz traditionell sei Tango ein Männertanz. Frauen hätten sich früher als Männer verkleiden müssen, um tanzen zu können. «Es ist ein dreckiger Tanz, der Tanz der Unterschicht», erklärt sie. An einer Milonga tanze man mit verschiedenen Partnern und komme sich dabei eigentlich viel zu nahe. «Normalerweise bist du nicht Kopf an Kopf und Körper an Körper mit jemandem, den du gar nicht kennst», sagt sie. Tango sei ein sehr feines Zusammenspiel zwischen zwei Menschen. «Wenn beide gute Tänzer sind, wird der Tanz zu einer Interpretation der Musik und das sind dann die ganz besonderen Tanzmomente», so Grasser.

Tanzschuhe als Herzensprojekt

Einblick in den kleinen Showroom
Einblick in den kleinen Showroom von Andrea Grasser. Bild: zvg

Es sei immer schwierig gewesen, schöne UND bequeme Tanzschuhe zu finden. Heute nimmt sie die Sache selbst in die Hand und kauft Schuhe in Italien ein. Im kleinen Showroom zuhause sowie an Veranstaltungen und Festivals verkauft sie die Schuhe und geniesst es, dabei mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Ein Herzensprojekt sei das für sie. Eines, das sie gern noch weiterentwickeln möchte. Sie träumt von Schuhen, die perfekt an den Fuss passen. «Im Zeitalter der Digitalisierung müsste das möglich sein. Es wäre cool, den Fuss in Stiletto-Haltung vermessen und einen digitalen Tanzschuh als Basis für die Produktion erstellen zu können», sagt sie. Gut vorstellbar, dass Andrea Grasser dereinst massgefertigte Tanzschuhe produzieren lässt.

BFH – die dreisprachige Hochschule

Die BFH agiert lokal und global in einem mehrsprachigen Umfeld. Mittelfristig will sie sich als die dreisprachige Fachhochschule der Schweiz positionieren. Als strategische Grundlage für den gewinnbringenden Nutzen der Sprachen an der BFH verabschiedete die Fachhochschulleitung (FHL) die Sprachenpolitik BFH, die bereits im Intranet publiziert wurde.

Bei der BFH-AHB in Biel und an der HF Holz ist Mehrsprachigkeit schon heute ein Thema. Die HF Holz ist zweisprachig mit je einem Klassenzug in Deutsch und Französisch. Anders beim Bachelorstudiengang Holztechnik, der gemischt geführt wird, wobei Module wie beispielsweise das Modul «Bau- und Wohnkultur», das Andrea Grasser im Team-Teaching mit einer Kollegin unterrichtet, teilweise zweisprachig angeboten werden. Alle Folien werden übersetzt und im Unterricht dürfen die Studierenden ihre bevorzugte Sprache sprechen – Deutsch oder Französisch. Auch Prüfungsfragen werden zweisprachig vorbereitet, wobei die Studierenden wahlweise in Deutsch oder Französisch antworten dürfen.

Mehr Informationen: intranet.bfh.ch/sprachenpolitik

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