Wer kennt es nicht? Manchmal kann die Routine des Alltags ermüdend sein. Warum also nicht einmal ausbrechen, die Komfortzone verlassen, etwas Neues wagen und mehr Bewegung ins Leben bringen? Das breite Angebot von Hochschul- und Unisport bietet dafür den perfekten Rahmen. Ein Selbstversuch.

Als Mitarbeitende der BFH können wir durch das Angebot des Hochschulsports und des Universitätssports in Bern zu sehr interessanten Konditionen Sport treiben. Für meinen Selbstversuch stürze ich mich ins Abenteuer Kendo und Sypoba.

Kendo – faszinierende Welt der Samurai

Kursleiterin Katja Fleury zeigt, wie das Shinai richtig gehalten wird
Kursleiterin Katja Fleury zeigt, wie das Shinai richtig gehalten wird. Bild: Corina Lardelli

Kendo ist eine abgewandelte, moderne Art des japanischen Schwertkampfs, wie ihn Samurai erlernten und lebten. Meinen Einblick in diesen Kampfsport absolviere ich in ganz normalen Sportkleidern. Als ich an diesem grauen Abend im April die Halle betrete, ziehen die anderen Teilnehmenden gerade ihre Rüstung an. Kompliziert sieht das aus mit vielen Bändern, der Helm mit seltsam anmutenden „Flügeln“ auf der Seite und Gitter vor dem Gesicht. Warum es das braucht, lerne ich schnell.

Behandle dein Schwert mit Respekt

Ich erhalte mein Bambusschwert, Shinai genannt. Mit Respekt solle ich es behandeln, auch wenn es kein richtiges Schwert sei. Als erstes lerne ich, das Shinai richtig zu halten und zu ziehen. Es wird mit der linken Hand geführt – eine grosse Herausforderung für mich als Rechtshänderin. Dann zeigt mir die Kursleiterin Katja Fleury, wie sich eine Kendo-Ka richtig bewegt, wie sie schlägt und wie sie schreit. Den Gegner mit dem Shinai zu treffen, genügt beim Kendo nämlich bei Weitem nicht. Nein, man muss auch laut rufen, was man getroffen hat. Zum Beispiel «Men!» für Kopf. Nur wer sich kontrolliert bewegt, sauber trifft und richtig ruft, erhält einen Punkt.

Körper und Geist im Einklang

Nur wer den Schlag sauber und kontrolliert ausführt, erhält einen Punkt.
Nur wer den Schlag sauber und kontrolliert ausführt, erhält einen Punkt. Bild: Corina Lardelli

Es fällt mir alles andere als leicht, meinem Gegenüber fadengerade auf den Kopf zu schlagen. Auch wenn mir meine Trainingspartnerinnen und –partner versichern, dass man im Helm wirklich gar nichts spüre. Schliesslich entspanne ich mich, konzentriere mich nur noch auf den Bewegungsablauf. Ich lerne, mit dem ganzen Körper und nicht nur mit den Armen zu arbeiten. In der richtigen Schrittfolge vorangehen, dem Gegner in die Augen schauen, den Schlag ausführen und mich wieder entfernen. Einfach ist das nicht. Besonders der Schrei kostet Überwindung und ist unglaublich schwierig. Ist man zu früh, verrät man den Schlag, ist man zu spät, gibt es keinen Punkt.

Kendo ist laut und intensiv

Zum Schluss darf ich zusehen, wie die anderen Teilnehmenden zusammen trainieren. Sie stampfen, sie schlagen, sie schreien. Ich kann die Energie spüren, bin begeistert von der Stimmung im Raum. Ich werde eingeladen, mit den anderen am Schlussritual teilzunehmen. Wie mit dem Lineal gezogen knien wir in einer geraden Reihe. Mit einer Verbeugung endet das Ritual. Zurück geht es in den grauen Abend, um eine tolle Erfahrung reicher.

Sypoba – Gleichgewicht unter erschwerten Bedingungen

Holzstange auffangen, ohne die Balance zu verlieren
Holzstange auffangen, ohne die Balance zu verlieren. Bild: Corina Lardelli

Mein zweites Trainingsabenteuer findet über Mittag im Atrium in Bern statt. Als erstes heisst es Material fassen: ein Sypoba-Brett, eine Metallrolle, eine Holzstange, zwei Keile, eine Art Rondellen sowie eine kleine und eine grosse Matte. Das Aufwärmtraining scheint hier schon beim Zusammentragen des Materials anzufangen.

Und dann geht es los: Holzbrett auf Metallrolle legen, draufstehen und im Gleichgewicht bleiben. Was bei der Kursleiterin eine einzige fliessende Bewegung zu sein scheint, gestaltet sich bei mir etwas weniger geschmeidig. Ich brauche einen Moment, um mit dem Brett überhaupt vom Boden wegzukommen und die Balance zu halten.

Schneller als gedacht kann ich mich auf dem Brett hin- und herwiegen. Zuerst noch angestrengt einen Punkt im Spiegel fixierend, doch dann zunehmend sicherer. Schon habe ich für einen Augenblick Oberwasser, «gar nicht sooo schwer» denke ich. Aber dann geht es auch schon weiter. Schritt für Schritt wird es herausfordernder: Füsse näher zusammen. Auf einer Seite des Bretts anhalten. Hände hinter dem Rücken abwarten und dann die fallende Holzstange auffangen. Klingt simpel. Ist es nicht.

Kraftübungen à la Sypoba

Liegestütze à la Sypoba
Liegestütze à la Sypoba. Bild: Corina Lardelli

Langsam macht es mir richtig Spass. Verschiedene Kraftübungen folgen. Ausfallschritte – mit einem Fuss auf einem der Keile versuchen, ohne zu wackeln in die Knie zu gehen. Es bleibt beim Versuch. Liegestützen und Planks, schon unter normalen Umständen nicht meine Lieblingsbeschäftigung, werden mit beiden Händen auf dem Sypobabrett zur echten Herausforderung. Wäre da nicht meine Kollegin mit dem Fotoapparat, ich hätte mich schon früher den zitternden Oberarmen ergeben.

Vielseitiges und abwechslungsreiches Training

Übung auf Übung folgt und trotz der zitternden Muskeln bin ich top motiviert. Es ist kaum zu fassen, wie vielseitig sich mit dem Sypoba trainieren lässt. Ich verstehe langsam, warum auch viele Leistungssportler auf dieses Training setzen. Ein kleines Erfolgserlebnis kommt zum Schluss. Eine Minute lang auf dem Brett sitzend balancieren, ohne mit Händen oder Füssen den Boden zu berühren. Meine Bauchmuskeln geben mir zu verstehen, dass sie in letzter Zeit sträflich vernachlässigt wurden. Aber diesmal ist der Kopf stärker. Ich ziehe die 60 Sekunden durch. Glücklich über diesen Mini-Erfolg geniesse ich die Dehnungsübungen zum Schluss.

Die Sypoba-Stunde ist fertig. Ich auch. Zurück in die Stadt nehme ich den Bus. Nein, ich bin nicht wirklich schneller als zu Fuss. Aber wenn ich so die Strasse runterschaue, scheint die Länggasse ihrem Namen alle Ehre zu machen.

Einfach einmal ausprobieren

Ja, ich gebe es zu. Der Muskelkater war nicht ohne. Aber ich habe ihn mit Stolz ertragen. Zwei neue Sportarten auszuprobieren, war eine super Erfahrung. Ich konnte in zwei Welten eintauchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch habe ich beide Sporthallen mit dem gleichen Gefühl verlassen: Gute Laune pur, inspiriert und voller Motivation. Und nein, ich habe nicht mit Kendo oder Sypoba angefangen. Aber manchmal, wenn ich am Wochenende durch den Wald jogge, denke ich daran zurück und bin motiviert für einen Extrakilometer.

Hochschulsport

Mitarbeitende der BFH profitieren von einer ganzen Reihe von attraktiven Sportangeboten. In Biel, Burgdorf, Magglingen und Zollikofen bietet die BFH ein eigenes Sportprogramm an. In Bern steht gegen eine Jahresgebühr das breite Angebot des Universitätssports Bern offen. Werfen Sie einen Blick ins Intranet und suchen Sie sich eine Sportart aus, die Sie begeistert.

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