Der Campus Biel/Bienne setzt bezüglich Nachhaltigkeit hohe Massstäbe. Der Holzbau soll nach den Standards «Minergie-P-ECO» und «Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS Gold» umgesetzt werden. Er ist dadurch äusserst energieeffizient und berücksichtigt auch gesundheitliche und soziale Aspekte.
Visualisierung des entstehenden Campus Biel/Bienne
Visualisierung des entstehenden Campus Biel/Bienne. Bild: pool Architekten

Mit dem Bau des Campus Biel/Bienne wird einer der gegenwärtig grössten Holzbauten der Schweiz realisiert. Rund 25 Meter hoch soll das fünfstöckige Bauwerk mit dem Namen Trèfle («Klee») der Pool Architekten aus Zürich werden. Es erinnert durch seine Verwinkelung von oben gesehen an ein Kleeblatt.

«Lange Zeit konnten Holzbauten in der Schweiz aufgrund der geltenden Brandschutzvorschriften nur im kleineren Massstab umgesetzt werden», erklärt Martin Kieser, Betriebsprojektleiter des Campus Biel/Bienne. «Dies hat den Holzbau weitgehend auf Gewerbebauten und Einfamilienhäuser beschränkt.» Pioniergeist und nachhaltige Initiativen führten schliesslich dazu, dass der Holzbranche vor gut 10 Jahren der Durchbruch gelang und mit schweizweit angepassten Brandschutzvorschriften mehrgeschossige Holzbauten bis hin zu Hochhäusern möglich wurden.

Vorteile von Holz als Baustoff

Der modernen Architektur eröffneten sich dadurch ganz neue Wege. Ob Innenausbau oder Gebäudehülle – Holz bietet enorme Gestaltungsmöglichkeiten. Der natürliche Baustoff ist beständig und lässt sich fast in jede gewünschte Form bringen. Dank des geringen Gewichts des Holzes können grosse Elemente vorgefertigt werden, was die Bauzeit auf der Baustelle verkürzt. Neben seiner Leichtigkeit und seiner Belastbarkeit spricht vor allem auch die Nachhaltigkeit für den Rohstoff. «Wer mit Holz baut, leistet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, denn Holz ist als nachwachsender Rohstoff CO₂-neutral», erklärt Kieser.

Holzkonstruktion Campus Biel/Bienne

Die Tragstruktur sowie die Fassade des Campus Biel/Bienne werden vollständig aus Holz gebaut. Die Fassade wird zum nachhaltigen Schutz imprägniert und lasiert. Dies verleiht dem Bauwerk passend zum städtischen Kontext sein dunkles Aussehen. Im Gebäudeinnern wird die sogenannte Leichtbauweise angewendet. Die Konstruktion der Räume entspricht einer Art Riegelbau. Zwischen den Holzträgern werden die Wände mit Steinmauern oder Leichtbauwänden ausgefacht. Dies ermöglicht – im Sinne der Nachhaltigkeit – eine flexible Nutzung der Räume und vereinfacht allfällige spätere räumliche Veränderungen.

Holzbau und Nachhaltigkeit

Der Kanton Bern hält sich bei sämtlichen Neubauten an die Standards des Minergie-P-ECO Labels. Dies bedeutet, dass die Bauten äusserst energieeffizient sind und sowohl bauökologische als auch gesundheitliche Aspekte berücksichtigen. Als Holzbau ist der Campus Biel/Bienne besonders gut für Minergie-Standards geeignet, denn Holz bietet ideale Voraussetzungen für ein gesundes Raumklima und ist Teil der Dämmung gegen Energieverlust. Zudem soll der Campus nach dem Standard für Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS zertifiziert werden. Dies ist der erste umfassende und zertifizierungsfähige Standard für nachhaltige Gebäude aus der Schweiz. Er basiert auf der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes und soll einen Beitrag zur Klimapolitik leisten. Bewertet werden die Bereiche Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt.

Förderung von erneuerbaren Energiequellen

Beim Campus Biel/Bienne werden auch sonst weitgehend erneuerbare Energiequellen eingesetzt. Im Winter wird der Campus mit Pellets geheizt. «Die Kälte im Winter haben wir mit der Isolation des Minergie-Holzbaus gut im Griff», meint Kieser. «Das grössere Problem ist die Hitze im Sommer, denn die zahlreichen Geräte, Computer und Maschinen erwärmen die Räume stark.» Aktuell ist die Nutzung von Seewasser aus dem Bielersee für die Kühlung des Gebäudes in Abklärung.

Eine weitere Herausforderung bezüglich Nachhaltigkeit stellt laut Kieser der Stromverbrauch dar. Dieser beläuft sich beim Campus Biel geschätzt auf rund 2’900 MWh pro Jahr. «Mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach des Campus können wir rund 6.5 Prozent des Strombedarfs mit Eigenproduktion decken. Der übrige Strom wird aus einem Strommix mit unterschiedlichen Energieträgern bezogen, die nicht alle nachhaltig sind.» In dieser Hinsicht ist die Energiestrategie 2050 des Bundes mit der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien und einem schrittweisen Ausstieg aus der Nuklearenergie besonders relevant.

Martin Kieser zeigt sich überzeugt, dass der Campus Biel/Bienne als innovativer Holzbau nationale Ausstrahlung haben wird und hinsichtlich der Nachhaltigkeit hohe Massstäbe setzt.

Neubau Campus Bern

Aussenansicht des zukünftigen Campus Bern
Aussenansicht des zukünftigen Campus Bern. Bild: wulf architekten + STUDIO PEZ, Visualisierung: Aron Lorincz Ateliers

Auch der Campus Bern hat punkto Nachhaltigkeit hohen Ansprüchen zu genügen. Das Projekt «Dreierlei», welches den Architekturwettbewerb zum Campus Bern Ende Januar 2019 gewonnen hat, soll den Minergie-P-ECO Standard erfüllen und die Energie- und Klimastrategie 2025 der Stadt Bern berücksichtigen. Im Wettbewerbsperimeter soll zudem ein Beitrag an die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft sowie der 1-Tonnen-CO2-Gesellschaft in der Stadt Bern geleistet werden. Verantwortlich für «Dreierlei» ist ein Planerteam unter der Leitung der wulf architekten gmbh aus Stuttgart (D).

Weitere Informationen: www.campus-bern.ch

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