Die Studie «Comeback» untersucht, warum Pflegefachpersonen aus dem Beruf aussteigen, warum sie nach einer Pause wieder einsteigen und was ihre Motivation ist, nach dem Wiedereinstieg im Beruf zu verbleiben. Eine Thematik, der gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels eine grosse Bedeutung zukommt.
Katrin Bader und Patientin
Katrin Bader arbeitet seit Februar 2020 wieder in ihrem Beruf als Pflegefachfrau. Bild: zvg

Katrin Bader ist diplomierte Pflegefachfrau. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter entschied sie sich, beruflich eine Pause einzulegen. Im vergangenen Februar nahm sie die Arbeit in der Pflege mit neuer Energie wieder auf. «Ich arbeite 30 Prozent, mehr möchte ich wegen der Familie im Moment nicht», sagt sie und steht mit ihrem Wunsch nach einem Teilzeitpensum nicht allein da.

Wichtige Ressourcen

«In der Schweiz verlassen viele diplomierte Pflegefachpersonen den Beruf», sagt Iris Lipp, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BFH-G und Projektleiterin der Studie «Comeback». «Die Gründe dafür sind vielfältig», betont sie. Klar aber sei: «Dem Gesundheitswesen gehen dadurch wichtige Ressourcen verloren.» Stichwort: Fachkräftemangel.

Im Auftrag des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) Sektion Bern und der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) des Kantons Bern sowie finanziell unterstützt durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) arbeitet Iris Lipp deshalb seit zwei Jahren an der Studie «Comeback». Die Studie untersucht, warum Pflegefachpersonen aus dem Beruf aussteigen, warum sie nach einer Pause wieder einsteigen und was ihre Motivation ist, nach dem Wiedereinstieg im Beruf zu verbleiben. «Wir sind diesen Fragen im direkten Gespräch mit Wiedereinsteigerinnen und -einsteigern sowie mithilfe von zwei Fragebogenerhebungen nachgegangen», erklärt Iris Lipp. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 50 Jahren. «Die Mehrheit der Studienteilnehmenden waren seit 10 Jahren oder länger aus dem Beruf ausgestiegen», führt sie aus.

Hand in Hand mit der Praxis

Um die Praxisrelevanz der Studie zu erhöhen, wurde ein Sounding Board mit verantwortlichen Personen aus den Bereichen Pflegemanagement (Swiss Nurse Leaders) und Human Resources ins Leben gerufen. «Das Sounding Board war uns Auftraggebern wichtig», betont Cornelia Klüver, Präsidentin des SBK Sektion Bern. «Es erlaubte uns, die Anliegen der Praxis von Anfang an miteinzubeziehen und sicherzustellen, dass in der Studie die richtigen Fragen gestellt wurden», sagt sie. Dies erhöhe die Chance, dass die Erkenntnisse aus der Studie später von den Arbeitgebenden akzeptiert werden und in die Praxis einfliessen können.

Das Ziel sei letztlich, dass die Arbeitgebenden im Gesundheitswesen angeregt werden, lösungsorientiert hinzuschauen und zu überlegen, welche Anpassungen im eigenen Betrieb vorgenommen werden könnten, fährt Cornelia Klüver fort. Eine Haltung, die Danny Heilbronn, Leiter Abteilung Gesundheitsberufe in der GSI teilt: «Wir benötigen die Studie als wissenschaftliche Grundlage, um mit den Betrieben ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.» Nach der Veröffentlichung der Studie sei denn auch geplant, ein Empfehlungspapier mit den wichtigsten Erkenntnissen für die Praxis auszuarbeiten, bestätigt Iris Lipp.

Gern und gesund arbeiten

Erste Ergebnisse der Studie «Comeback» zeigen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Knackpunkt ist. «Die Befragten gaben häufig an, dass es an ihrem früheren Arbeitsplatz nicht möglich war, den Beschäftigungsgrad zu reduzieren oder den Dienstplan den Bedürfnissen der Familie anzupassen», erklärt Iris Lipp. Weiter habe es sich als wichtig herausgestellt, dass Pflegefachpersonen beim Wiedereinstieg in den Beruf gut begleitet werden. «Sie brauchen eine Ansprechperson, die ihnen im beruflichen Alltag Sicherheit vermittelt», fährt Iris Lipp fort. Für den Verbleib sei es ausserdem zentral, dass die Freude am Beruf aufrechterhalten werden könne. Dies gelinge dann, wenn sich die Pflegefachpersonen im Team wohlfühlen sowie Anerkennung und Wertschätzung erfahren.

«Dass ich als Wiedereinsteigerin von meinem jetzigen Arbeitgebenden mit offenen Armen aufgenommen wurde, macht mir Mut», sagt Katrin Bader. Das zeige auf, dass Leute wie sie nach wie vor über ein wertvolles Fachwissen verfügen und gebraucht werden. Ihr jetziger Arbeitgebender komme ihr auch bei der Arbeitsplanung stark entgegen, betont sie. «Ich habe zum Beispiel die Möglichkeit, immer am gleichen Tag zu arbeiten.» Das sei sehr wertvoll.

«Wie wichtig Pflegefachpersonen für unsere Gesellschaft sind, hat uns die Situation der letzten Wochen gerade wieder vor Augen geführt», sagt Iris Lipp und schliesst: «Wir sollten deshalb Sorge zu ihnen tragen und gute Arbeitsbedingungen schaffen, damit Sie möglichst lange und gern im Pflegeberuf arbeiten und dabei gesund bleiben können.»

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