«Guten Tag, hier bin ich!», Nicolas Bueche streckt den Kopf aus einem Sitzungszimmer und winkt mich herein. Es ist Donnerstagmorgen, 9.40 Uhr und ich beende erleichtert die Suche nach der richtigen Tür. «Wasser? Kaffee?», fragt er mit französischem Akzent. Nicolas ist Kompetenzbereichsleiter Verkehrsinfrastruktur am Institut Siedlungsentwicklung und Infrastruktur der BFH-AHB und lässt mich für ein paar Stunden an seinem Alltag teilhaben.
Nicolas Bueche führt durch das Mischgutlabor.
Nicolas Bueche führt durch das Mischgutlabor. Bild: Julia Zosso

Das Institut Siedlungsentwicklung und Infrastruktur

Das Institut Siedlungsentwicklung und Infrastruktur ISI besteht aus drei Kompetenzbereichen: Geotechnik und Naturereignisse, Verkehrsinfrastruktur und Dencity. Es verbindet ingenieur- und naturwissenschaftliche Ansätze mit architektonischen, sozialwissenschaftlichen und planerischen Sichtweisen, um Lösungen für räumliche Entwicklungen und Infrastrukturen zu generieren.

«Nein danke», antworte ich auf seine Frage, begrüsse zwei Mitarbeitende im Raum und setze mich mit Corona-konformem Abstand hin. «We switch to English, okay?», richtet Nicolas das Wort an die beiden anderen. Ein Nicken und die Besprechung wird fortgeführt. Im Gespräch fällt immer wieder der Begriff «Laboratory Test». Von verschiedenen Phasen ist die Rede. Viel mehr verstehe ich in der kurzen Zeit nicht. Als wir fünf Minuten später das Sitzungszimmer in Richtung Büro verlassen, klärt mich Nicolas auf: «Ich unterstütze neue Mitarbeiter*innen bei der Bearbeitung eines Forschungsprojekts. Es geht in diesem Fall um Asphaltbewehrung, eine innovative Sanierungsmethode im Bereich Strassenbau.»

So etwas wie Pause

Mittagspause im Büro
Die Mittagspause verbringt Nicolas heute im Büro. Bild: Julia Zosso

Im Grossraumbüro zieht Nicolas eine Banane aus seiner Tasche. Von Pause kann jedoch keine Rede sein. Ein kurzer Wortwechsel mit Kolleg*innen hier, eine Notiz auf einem Post-it da. Ein paar Worte Deutsch, dann wieder Englisch – so geht es munter weiter.

10.55 Uhr: Kaum ist die Banane gegessen, erklärt mir Nicolas: «Ich muss noch kurz ins Labor.» Gesagt, getan. Schon eilen wir durch die Gänge. Es dauert nicht lange, da kreuzen wir einen Kollegen. «Ça va?», fragt Nicolas und ist bereits in einen fachlichen Austausch verwickelt. Einen kurzen Check im Labor und einen weiteren Wortwechsel im Gang später hat Nicolas einen neuen Termin in der Agenda. «Meine Mittagspause ist soeben ins Wasser gefallen», sagt er schmunzelnd, als wir wieder ins Büro einbiegen.

«Ich mag es, wenn viel läuft und viele Anfragen kommen», bestätigt Nicolas mein Bauchgefühl. Neun bewilligte Forschungsprojekte und acht Forschungsanträge halten ihn zurzeit auf Trab – Dienstleistungen wie kleinere Studien im Auftrag von externen Partnern und die Lehre noch nicht eingerechnet. «Meine Aufgabe ist es, den Überblick über alle Projekte zu haben», hält er fest. Um die Umsetzung der Projekte kümmerten sich mehrheitlich seine Mitarbeiter*innen. Er selbst reserviere in der Regel einen Tag pro Woche für Projektarbeit.

Wichtige Kontakte pflegen

Besprechung
Neu in Zeiten von Corona: Besprechungen in Arbeitsgruppen finden vermehrt via Microsoft Teams statt. Bild: Julia Zosso

11.30 Uhr: Der nächste Termin steht an. Ausgerüstet mit einem Espresso und einer Flasche Wasser betritt Nicolas erneut das Sitzungszimmer und installiert sich für eine MS-Teams-Besprechung. Ziel dieses Termins mit externen Partnern ist es, Ideen für neue Forschungsprojekte zu diskutieren. «Solche Arbeitsgruppen sind für mich besonders wichtig, um Kontakte zu pflegen und künftige Forschungsprojekte zu generieren», erklärt mir Nicolas rund eine Stunde später.

Zurück im Büro bleiben noch ein paar Minuten bis zur Mittagspause. Nicolas zögert nicht lange und nutzt die Zeit für die Besprechung eines weiteren Forschungsprojekts mit einem Mitarbeiter. «Bitumen» schnappe ich auf. Begriffe wie «Drei-Punkt-Biegung», «Steifigkeit», «Ermüdung» fallen. «Es geht um die Entwicklung einer neuen, schnellen Methode für Gussasphalt», erfahre ich später.

Dann ist Mittag. Für Nicolas gibt es ein Energy-Milk-Joghurt am Arbeitsplatz. Während er das Joghurt immer wieder auf dem Tisch stehen lässt, erkundigt er sich bei seinem Team, ob alles in Ordnung ist, verteilt eine Information hier, erfragt eine andere da und tätigt einen Telefonanruf. «Ich sage nie Nein zu einem Partner oder Forschungsprojekt», quittiert er ein paar Minuten später schmunzelnd meinen fragenden Blick. Es sei paradox, denn er habe immer zu viel Arbeit, sei gleichzeitig aber auch immer auf der Suche nach neuen Aufträgen.

Von Asphalt und Probekörpern

Kurze Einführung
In einer kurzen Einführung gibt Nicolas Bueche der Passerelle-Studentin einen Einblick in sein Forschungsgebiet. Bild: Julia Zosso

13.30 Uhr: Einen Kaffee, eine 30-minütige Besprechung und ein paar Wortwechsel im Büro später tauscht Nicolas seine Rolle als Forschungsleiter mit der als Dozent. Auf dem Programm steht ein Termin mit einer Passerelle-Studentin, die sich für das Ingenieur-Studium an der BFH interessiert. Nach einer kurzen Einführung im Sitzungszimmer geht es ins Labor.

Ein Geruch von Asphalt liegt in der Luft. Grosse Maschinen sind zu sehen. Nicolas geht von einer Laborstation zur nächsten und erläutert Testabläufe und Materialien. «Das ist Mischgut», erklärt er gleich zu Beginn und zeigt auf eine Kartonschachtel mit einer schwarzen Masse. Mit einem Asphaltanalysator könne diese Masse in das Bindemittel Bitumen und Granulat zerlegt werden, lerne ich. Die nächste Maschine trennt das Bitumen vom Lösemittel. Und so weiter und so fort. «Ziel der Tests im Asphaltlabor ist es, den Asphalt in seine Einzelteile zu zerlegen», fasst Nicolas zusammen. So könne beispielsweise geprüft werden, ob auch wirklich das produziert wurde, was vorgesehen war.

Die Begeisterung für die Materie ist Nicolas anzumerken. Mit viel Engagement führt er durch die Grundlagen seines Forschungsgebiets. Auf das Bitumenlabor folgt das Mischgutlabor. «Hier stellen wir Probekörper her, die im Anschluss untersucht werden», sagt der Experte. «Biegeversuch» oder «Marshall-Test» bekomme ich mit. Anhand solcher Tests könne man schauen, wie die Probekörper auf unterschiedliche Belastungen reagieren.

Vermehrt online

Im Mischgutlabor
Probekörper werden im Mischgutlabor mit unterschiedlichen Kräften bearbeitet. Bild: Julia Zosso

Schliesslich ist es 15.00 Uhr. Nicolas beendet seine Führung. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter übernimmt und lässt die Passerelle-Studentin an den Maschinen selbst Hand anlegen. Während Nicolas und ich ins Büro zurückgehen, erklärt er: «Im Normalfall machen Lehre und Weiterbildung 25 bis 35 Prozent meines Arbeitspensums aus. Dieses Semester ist es etwas weniger.» Auf die Coronapandemie angesprochen sagt er, er möchte auch künftig einen Teil des Unterrichts online durchführen: «Wir haben gemerkt, dass die Theorie gut zuhause erarbeitet werden kann.» Er gewinne so wertvolle Zeit, könne mehr Student*innen gleichzeitig an der Vorlesung teilnehmen lassen und auf Fragen mithilfe verschiedener Kanäle effizient antworten. «Auch wenn Präsenzunterricht grundsätzlich viel mehr Spass macht», fügt er hinzu.

Zurück im Büro räumt er kurz auf, wechselt ein paar Worte mit seinem Team und schon geht es weiter von Besprechung zu Besprechung. Ich klinke mich an dieser Stelle aus und nehme mit: Intensiv, vielseitig und immer etwas anders als geplant – so, so ähnlich oder noch ganz anders verläuft ein Arbeitstag von BFH-Dozent*innen mit Mischprofil.

 

Hinweis: Alle Bilder dieses Beitrags wurden vor der Einführung der allgemeinen Maskenpflicht aufgenommen.

Zur Person

Nicolas Bueche ist seit 2017 Kompetenzbereichsleiter Verkehrsinfrastruktur am Institut für Siedlungsentwicklung und Infrastruktur ISI. Sein Team umfasst vier wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, drei Assistent*innen und einen PHD-Studenten. In seinem 80%-Pensum an der BFH unterrichtet er zudem Bachelor- und Masterstudent*innen aus den Bereichen Lehre und Weiterbildung. Privat ist er Co-Leiter des Ingenieurbüros «Nibuxs Sàrl» in Lausanne.

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