«A bisserl» ein verkopfter Mensch. Ein Mensch, der gerade dabei ist, auszubrechen und die Entspanntheit im Leben zu finden. So beschreibt sich Felix Seyer selbst. Ganz anders der Eindruck im Gespräch: Hier strahlt der Vielbeschäftigte eine unglaubliche Ruhe aus.
Felix Seyer, HKB
«A bisserl» ein verkopfter Mensch. Bild: Corina Lardelli

Gemeinsam mit Jugendlichen ermittelt Felix Seyer am «Tatort Kunst». Er zeigt ihnen, wie Fälschungen erkannt werden können. Auf diese Weise gibt er am «Tech Day» sowie an Messen im In- und Ausland einen Einblick in den Studiengang «Konservierung und Restaurierung» und versucht, Studierende zu gewinnen. Als Assistent Qualitätsentwicklung und Akquise bei der Hochschule der Künste (HKB) kümmert er sich im Rahmen seines 40%-Pensums zudem um das Qualitätsmanagement des Studiengangs. Die Anliegen der Studierenden kennt er aus eigener Erfahrung. Er hat selbst seinen Bachelor-Abschluss an der HKB erworben. Aktuell macht er seinen Master in der Vertiefungsrichtung «Graphik, Schriftgut und Photographie». Seine Master-Thesis will er im Januar 2020 abgeben.

Liebe zum Material

Dienstags arbeitet Felix Seyer bei der Stiftung Historisches Material der Schweizer Armee (HAM) – ein wichtiges Engagement für ihn. Denn sein Herz schlägt für kollagene Strukturen wie zum Beispiel Leder oder Pelz. Zurzeit restauriert er zwei Pistolentaschen eines Offiziers aus dem Jahr 1855. Eine «niffelige Büez» sei das schon. Zuerst müsse man das Gefühl für das Material entwickeln, dann mit chirurgischer Präzision Schritt für Schritt vorgehen. Überhastetes Handeln könne Schäden noch verschlimmern. Eine Arbeit, die man als Lebensschule bezeichnen könnte? «Ja sehr», sagt Felix Seyer, «es holt dich auf den Boden. Du musst realisieren, was innerhalb der verfügbaren Zeit und des Budgets machbar ist.»

Es bleibt, was es immer war

Seine Motivation für diese Aufgaben ist das Erhalten von Kulturgut und damit von Technikwissen. Wie wurde eine Tasche zusammengenäht? In welcher Reihenfolge die Stiche geführt? Diese handwerkliche Präzision anzuschauen, sei eine Freude für ihn. «Es ist eine grosse Ehre, an so einem Stück arbeiten zu dürfen. Du kannst zwar keine eigene Handschrift hinterlassen, aber du kannst das Vorhandene festigen. Damit es bleibt, was es immer war», so Seyer.

Denkpause auf dem Land

Auch privat mag er die Kontinuität von Dingen. Er sammelt Gegenstände, die mit seiner Familie zu tun haben wie zum Beispiel Schmuck, Zigarettenetuis oder Zündholzschachteln. Sich auf Flohmärkten und in Brockenstuben zu bewegen, gibt ihm Ruhe. Den Ausgleich findet Felix zudem in der Zeit, die er mit seinem Sohn verbringt. Gemeinsam sind sie oft draussen unterwegs, viel auf dem Bauernhof der Schwiegereltern. Während seinem Sohn vor allem Schafe, Kühe und Hühner gefallen, kann Felix Seyer beim Unkraut jäten in seinem kleinen Garten «auf Durchzug schalten». Runterfahren. «Einfach einmal nicht denken», das brauche er.

Mit Leidenschaft studieren, arbeiten und Vater sein

An der BFH als Arbeitgeberin schätzt Felix Seyer, «dass ich meine drei Leben als Student, als Mitarbeiter und als Familienvater unter einen Hut bringen kann». In allen drei Bereichen erfolgreich unterwegs sein zu können, «macht mich sehr zufrieden und glücklich». Auf Homeoffice verzichtet er dabei ganz bewusst. Es ist ihm wichtig «neben dem Arbeiten zu Hause nicht noch den Geschirrspüler auszuräumen». Er möchte sich einen Tag voll auf eine Tätigkeit konzentrieren und dafür am nächsten Tag bewusst frei haben. Wichtig ist für ihn auch der flexible Umgang mit der Arbeitszeit. Als Familienvater sei er froh, am Morgen mal später kommen und dafür abends länger arbeiten zu können.

Zwei Arbeitsstellen, ein Master-Studium und Vatersein unter einen Hut zu bringen klingt, als ob er öfter mal länger arbeitet. Felix Seyer sagt: «Ich versuche gerade, meiner selbst etwas bewusster zu werden. Ich habe meine Slots, in denen ich mich einem Thema widme. Wenn das aufgeht, ist es perfekt. Wenn nicht, muss etwas halt auch mal einen oder zwei Tage warten». Nicht einfach für jemanden, der mit so viel Leidenschaft dabei ist.

Entspanntheit finden

Der nächste Schritt ist für Felix der Master-Abschluss. Und gleichzeitig ist der «a bisserl» verkopfte Mensch eben dabei, auszubrechen und die Entspanntheit im Leben zu finden. Den Mut zu haben, dazu zu stehen, dass es Dinge gibt, für die es nicht sofort eine fertige Lösung gibt. Und den Dingen Zeit lassen, die sich vielleicht erst noch entwickeln müssen.

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