Verantwortliche Praxisausbildung Bachelorstudiengang Hebamme, Dozentin, Forscherin, Gesundheitsförderin, Coach, Mediatorin, Geschäftsführerin, Sängerin und Möbelbauerin – Katharina Tritten Schwarz ist eine Frau mit vielen Facetten.
Hebammenchor «Midwifecrisis» in Aktion
Der Hebammenchor «Midwifecrisis» in Aktion – Katharina Tritten Schwarz ist in der ersten Reihe die zweite von rechts. Bild: zvg

Spotlight

Überraschendes, Witziges oder Herausragendes der BFH-Mitarbeitenden sichtbar machen: Darum geht es in dieser Serie. Unter dem Leitsatz «Bekannt für…» porträtieren wir in den ersten drei Magazinausgaben ausgewählte BFH-lerinnen und BFH-ler, die weit über ihren Arbeitsplatz hinaus für spannende Geschichten sorgen.

In dieser Ausgabe: Katharina Tritten Schwarz, die im Departement Gesundheit unter anderem die Praxisausbildung der Hebammen verantwortet und mit dem einzigartigen Hebammenchor «Midwifecrisis» die Bühne rockt.

Katharina Trittens Weg an die BFH beginnt an der Lenk im Berner Oberland. Als junges Mädchen ist sie fasziniert von der Hebamme im Dorf. Eine selbstbewusste und emanzipierte Frau, die nahe an den Menschen ist und nebst Pfarrer und Hausarzt etwas zu sagen hat. Schon mit 12 Jahren ist darum für Katharina klar: Ich will Hebamme werden.

Langweilig darf es nicht sein

Heute ist Katharina Tritten Verantwortliche Praxisausbildung, Dozentin, Mitglied der Studiengangsleitung Bachelor Hebamme und der Steuergruppe für betriebliches Gesundheitsmanagement im Departement Gesundheit. Was sich in einem Satz zusammenfassen lässt, ist tatsächlich ein sehr breit gefächertes und umfangreiches Aufgabengebiet. Eine Vielfalt, die ihr wichtig ist. «Es darf mir nicht langweilig werden», sagt sie lachend und fügt ernst hinzu: «Trotzdem muss ich gut auf meine Work-Life-Balance und somit meine Gesundheit achten». Aber mit der Erfahrung, so Katharina, lerne man «die Spreu etwas anders vom Weizen zu trennen» und auch einmal Nein zu sagen.

Katharina ist für den Praxisteil im Hebammenstudium verantwortlich. Sie kümmert sich darum, dass allen Studierenden ein Ausbildungsplatz in einem Spital, einem Geburtshaus oder einer Hebammenpraxis zugewiesen werden kann und pflegt den Kontakt mit den über 50 Praxispartnerinnen und -partnern. Als Ansprechperson für die Studierenden sowie die Ausbildungsverantwortlichen in der Praxis muss sie flexibel sein und ihre Pläne auch mal kurzfristig über den Haufen werfen. «Haben Studierende während den Praxismodulen ein Anliegen oder Schwierigkeiten, dann hat das immer 1. Priorität», so Katharina.

Hebamme auf andere Art

Katharina ist zudem als Dozentin innerhalb der Themengebiete Public Health, Gesundheitsförderung und Prävention tätig und forscht nebenbei im Bereich Prävention von Tabak- und Alkoholkonsum von Schwangeren und Müttern. Parallel stehen Lehrveranstaltungen, Prüfungen und vieles mehr auf ihrer Agenda. So ist jeder Tag anders. Vermisst sie es manchmal, als Hebamme tätig zu sein? Die spezielle Atmosphäre eines Spät- oder Nachtdiensts vermisse sie manchmal schon, sagt sie. Schön sei auch, dass man als Hebamme kurzfristige Erfolgserlebnisse habe. «Du gehst zur Arbeit und im Idealfall kommt zu Arbeitsschluss ein gesundes Kind zur Welt», sagt Katharina und ergänzt mit Nachdruck: «Ich fühle mich immer noch als Hebamme, wenn auch auf eine andere Art. Ich befähige Menschen, Hebamme zu werden. Das ist eine andere Form von Begleitung, aber auch ein Prozess, der jedoch länger als neun Monate dauert.»

Die Hochschullandschaft sei manchmal eine Herausforderung, weil ein Erfolg seine Zeit brauche. Motivation tankt Katharina, wenn sie die Studierenden wachsen sieht. «Wenn ich sehe, wie sie engagiert ihre Bachelorarbeiten präsentieren und anschliessend mit Stolz an der Abschlussfeier auf der Bühne stehen. Das fühlt sich wie die Geburt einer neuen Hebamme an», sagt Katharina und die Freude ist ihr ins Gesicht geschrieben. Diese Faszination für den Hebammenberuf, ihre loyale Art, den Power und ihr offenes Ohr für die Anliegen und Sorgen anderer, dafür ist Katharina bekannt.

Midwifecrisis als Ausgleich

Was tut eine vielbeschäftigte Frau wie Katharina in ihrer Freizeit? Sie singt – im weltweit einzigen Hebammenchor «Midwifecrisis». Singen im Sinne von Körperarbeit sei wichtig für den Ausgleich und der Austausch mit den Kolleginnen, die als Hebamme in der Praxis arbeiten, sei ein schöner Nebeneffekt. Auch wenn ihr die Post-it am Badezimmerspiegel mit den Liedtexten für die Auftritte im nächsten Jahr gelegentlich auf die Nerven gehen. Manchmal frage sie sich schon, ob es jetzt wirklich nötig sei, nebst allem auch noch Liedertexte auswendig zu lernen. «Aber meine Motivation ist, dass wir Hebammen bei den Auftritten immer zusammenstehen», vor allem dann, wenn es mal nicht läuft wie gewünscht. «Und dann legen wir trotzdem eine Performance hin, dass die Scheiben krachen», erzählt Katharina lachend. Wenn es darauf ankomme, «dann geben die Hebammen immer Gas».

Möbel aus Eierkarton
Katharina Tritten Schwarz baut Möbel aus Eierkarton unter dem Label «EGG-Kartonagen». Bild: Anlikerei Gümmenen

Nebenbei ist Katharina auch noch Geschäftsführerin vom Viehhandelsunternehmen ihres Mannes und sie baut Möbel. Nicht irgendwelche Möbel versteht sich. Sie produziert Salon- und Beistelltische sowie Sideboards aus Eierkarton mit dem Label «EGG-Kartonagen». Das kreative Element ist der Tochter einer künstlerisch angehauchten Familie als weiterer Ausgleich zu Hochschulstrukturen und -alltag sehr wichtig.

Bei allem was Katharina tut, schwingt ihr Hebammenherz mit. Etwas entsteht, wird geboren und auf den Weg gebracht. In der Begeisterung ist das 12-jährige Mädchen von einst zu erkennen. Geblieben ist die Freude am Hebammenberuf. Geblieben ist das innere Feuer. Geworden ist eine starke Frau, die ihren Weg geht, die etwas zu sagen hat und die inspiriert.

Weiterführende Informationen

Bachelorstudiengang «Hebamme», Kontakt
Forschungsprojekt: Substanzmittelscreening zugunsten der mütterlichen und kindlichen Gesundheit
Website des Hebammenchors «Midwifecrisis»

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