Es gibt verschiedene Gründe, die einen nach Bern Bümpliz führen. W. Nuss kann einer sein. Derjenige, warum ich jeweils dorthin reise, heisst: Hochschule der Künste Bern.
Videoinstallation
Videoinstallation im Erdgeschoss. Bild: Nicole Hametner

BFH Alltag: Die Kolumne von Mitarbeitenden für Mitarbeitende

«Ewiges Einerlei», so umschreiben verschiedene Synonymwörterbücher das Wort «Alltag». Dass der Arbeitsalltag an der BFH jedoch weit mehr ist als ein «ewiges Einerlei» und in Wirklichkeit unzählige Geschichten bereithält, die zum Schmunzeln oder Nachdenken anregen, davon erzählt diese Kolumne. In dieser Ausgabe: Nathalie Pernet, Leiterin der Fachstelle Forschung und Entwicklung an der HKB, zum Thema: «Halt in der ehemaligen Tuchfabrik in Bern Bümpliz Nord».

Ein Text von Nathalie Pernet

Westwärts von Bern, dort, wo Hochhäuser aus dem Boden ragen und sich ein urbanes Grossstadtgefühl breit macht, ist auch die Hochschule der Künste Bern zuhause. In der ehemaligen Tuchfabrik der Firma Schild, dort, wo früher Kleider genäht und Stoffe hergestellt wurden, wird heute restauriert, künstlerisch geschaffen, designt und geforscht. Und genau dort, umgeben von Werkstätten, künstlerischen Ateliers und Hardcore-Labors, spielt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mein Arbeitsalltag ab.

Das Gebäude und die Geschichte, die es in sich trägt, inspirieren. Nicht nur mich als Arbeitnehmerin, sondern auch unsere Kunststudierenden, die tagtäglich unsere Umgebung verändern und ihr künstlerisches Wirken zur Schau stellen: Stand gestern noch eine Holzskulptur im Gang, kleben heute bunte Grafikentwürfe an den Wänden und morgen installieren Kunstschaffende womöglich eine Videoinstallation. All das passiert unerwartet und jeden Tag aufs Neue. Genau diese Lebendigkeit in den Künsten und die dazugehörigen Kreationsprozesse faszinieren mich seit jeher. Die Künste schärfen den eigenen Blick und die eigene Wahrnehmung auf das, was um uns herum passiert. So eröffnen sie mir immer wieder neue Perspektiven und Denkräume, gerade weil sie Unsichtbares sichtbar machen oder Bekanntes reflektieren.

Durch die Bümplizer Fabrikhallen wandeln aber nicht nur Studierende. Auch die Forschungsabteilung der HKB hat hier ihr Zuhause gefunden. Weit über 200 Forschungsprojekte haben sich mit und neben mir entwickelt, seitdem ich hier tätig bin. Forschungsprojekte, die vom Schweizerischen Nationalfonds, von der Innosuisse oder von Partnern aus Wirtschaft und öffentlicher Hand finanziert werden. Wie stark interdisziplinär in den Künsten geforscht wird, wie angewandt und innovativ, welche Methodenvielfalt dabei möglich ist und wie gesellschaftsrelevant die Fragen sind, mit denen sich unsere Forschenden beschäftigen, beeindruckt immer wieder. Nicht nur mich, sondern auch all jene, die irgendwann mit der HKB-Forschung in Berührung kommen.

Die Themen, an denen die HKB forscht, sind breit. Dies widerspiegelt sich auch in den vier Forschungsinstituten: Design Research, Praktiken und Theorien der Künste, Interpretation und Materialität in Kunst und Kultur. Während die einen Forschenden spezifische Konservierungsstrategien für den Erhalt von Kunst und Kulturgut entwickeln, bauen andere historische Musikinstrumente nach und spielen diese im Konzert. Wiederum andere setzen sich mit der visuellen Gestaltung von Räumlichkeiten im Gesundheitsbereich – wie beispielsweise der Notfallstation eines Spitals – auseinander, um eine stressreduzierende Atmosphäre für Wartende zu schaffen. Und dies sind nur drei Beispiele von rund 40 laufenden Projekten, in denen Forschende aus den Künsten mit solchen aus den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften zusammenarbeiten.

Auf «Tuchfühlung» mit der HKB-Forschung zu gehen, ist nicht nur innerhalb der Fabrikgemäuer möglich, sondern auch ausserhalb, wo unsere Forschenden ihre Erkenntnisse in Konzerthäusern, an Festivals, in Museen oder in virtuellen Räumen präsentieren. Somit freuen wir uns nicht nur über den Besuch aller, die in der ehemaligen Tuchfabrik in Bern Bümpliz Nord Halt machen, sondern auch über den Besuch derjenigen, die an der einen oder anderen öffentlichen Veranstaltung in der Stadt Bern teilnehmen.

Die Kolumnistin

Nathalie Pernet ist Juristin und hat ein MAS in Kulturmanagement. Sie leitet an der HKB die Fachstelle Forschung und Entwicklung. Und ist schwerpunktmässig in den Bereichen Forschungsmanagement, Wissens- und Technologietransfer (WTT), Forschungsvermittlung und Wissenschaftskommunikation tätig. hkb.bfh.ch/forschung

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