Ohne Petra Kupferschmid, Fachspezialistin Sportanlagen an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen (EHSM), gäbe es heute wohl keine Volleyball-Dreifachhalle in Schönenwerd. Was das genau heisst und was mit viel Engagement, Herzblut und Teamgeist alles entstehen kann, davon erzählt dieser Beitrag.
Petra Kupferschmid beim EM-Qualifikationsspiel in der Dreifachhalle in Schönenwerd
Petra Kupferschmid beim EM-Qualifikationsspiel in der Dreifachhalle in Schönenwerd. Bild: zvg

In Petra Kupferschmid schlagen zwei Herzen: Eines für die Architektur und eines für den Sport. Im Leben der gelernten Hochbauzeichnerin, die nach der Lehre ein Architekturstudium anhängte, hinterher in verschiedenen Architekturbüros arbeitete, sich im Jahr 2015 kurzerhand selbständig machte und heute als Fachspezialistin Sportanlagen an der EHSM tätig ist, hat Volleyball immer eine wichtige Rolle gespielt. Mehr als 20 Jahre lang spielte sie im Verein Volley Schönenwerd und zeitweise beim RTV Basel mit, mehrere Saisons sogar auf Niveau Nati B. Wegen einer Hüftoperation musste sie das aktive Spielen schliesslich an den Nagel hängen. Dies hinderte sie aber nicht daran, sich weiterhin für den Volleyballsport einzusetzen. Ihr grösster Coup aus dieser Zeit: die Initiierung der Betoncoupe-Arena – einer Dreifachhalle in Schönenwerd und Leistungszentrum der Schweizer Volleyball-Nationalmannschaften.

Was für Nichtwisser möglicherweise nicht ganz so spektakulär klingt, ist in Tat und Wahrheit mehr als das: Die Betoncoupe-Arena ist schweizweit die erste und bisher einzige reine Volleyball-Halle, ein Vorzeigebeispiel, wenn es darum geht, Sporthallen privat auf die Beine zu stellen. Denn im Normalfall werden solche Hallen von der öffentlichen Hand gebaut. Aber eins nach dem anderen …

Mühsames Hin und Her

Dass es oft nicht genug Sporthallen gibt, um alle Vereinsbedürfnisse abzudecken, ist ein bekanntes Problem. Dass vorhandene Hallen bestimmten Wettkampfanforderungen nicht gerecht werden, ebenfalls. Auch Petra Kupferschmid, die sich lange um die Trainings- und Meisterschaftsplanung der 15 bis 20 Teams von Volley Schönenwerd kümmerte, kennt diese Problematik: «Das war immer unglaublich mühsam. Wir waren mit dem Verein zeitweise in zehn Hallen unterwegs und diese Hallen standen zudem in unterschiedlichen Gemeinden.» Weil das Herrenteam in dieser Zeit auch noch in die Nati A aufstieg, veränderte sich ausserdem die Vereinsstruktur und es kamen immer mehr Aufgaben auf die Vereinsmitglieder zu.

Ein Heim schaffen

«Eines Samstagmorgens bei einem Kaffee im Freundeskreis beschlossen der NLA-Sportchef Daniel Bühlmann und ich schliesslich, dass das so nicht mehr weitergeht», erzählt Petra Kupferschmid lachend. Der Verein brauchte eine Dreifachhalle, in der Europa-Cup-Spiele ausgetragen werden konnten. Mit dem aufwändigen Verschieben von Material zwischen den Spielorten und den Restriktionen bei den Hallenzeiten, z.B. während der Ferien sollte ein für alle Mal Schluss sein. Und was Teamplayerin Petra Kupferschmid vor allem am Herzen lag: «Wir wollten wieder ein Heim schaffen für den Verein.» Durch die vielen Hallen sei der Zusammenhalt nämlich verlorengegangen. Die verschiedenen Teams begegneten sich nicht mehr, man konnte nach einem Training nicht noch spontan etwas zusammen essen oder andere Mannschaften bei einem Match unterstützen. «All das, was der Sport mir selbst gegeben hat», erklärt Petra Kupferschmid mit Nachdruck, «die vielen Emotionen, das Entstehen von Freundschaften, das wollte ich der nächsten Generation wieder ermöglichen.»

Selbst ist die Frau

«Weil Schönenwerd für die Schule keine neue Halle brauchte, war von Anfang an klar, dass wir den Bau der Halle selbst angehen mussten», sagt Kupferschmid. Sie begann, mögliche Grundstücke zu suchen und Grundrisse zu entwerfen – alles ehrenamtlich am Abend und am Wochenende, versteht sich.

Nach nur zwei Monaten war die Finanzierung des Vorprojekts durch eine Crowdfunding-Aktion sichergestellt. Es wurde eine Projektgruppe gegründet, ein Architekturbüro ins Boot geholt und das Ganze kam so richtig ins Rollen.

Heute, rund fünf Jahre später, ist die Betoncoupe-Arena Leuchtturm und Vorbild für andere Vereine. Neben Volley Schönenwerd stieg auch der Dachverband Swiss Volley als Mieter der Halle ein und errichtete dort sein nationales Leistungszentrum. Bereits mehrfach wurden in der Arena seither Länderspiele ausgetragen, am 9. Januar 2019 sogar EM-Qualifikationsspiele, die das Schweizer Fernsehen live übertrug.

Ausgleich der anderen Art

Dass man so eine Dreifachhalle nicht als Ausgleich zur sonstigen Tätigkeit aus dem Boden stampft, scheint klar. Und dennoch, als reine Arbeit will Petra Kupferschmid ihr Engagement während der letzten Jahre nicht bezeichnen: «Zu sehen, dass das Ganze klappen könnte und die positiven Reaktionen, die uns entgegengebracht wurden, haben uns im Projektteam immer beflügelt.» Gerade dieses Team sei letztlich auch der entscheidende Faktor gewesen. «Denn ohne ein wirklich gutes Team, ein Team, das träumen kann und sich von Rückschlägen nicht abschrecken lässt, hätte so ein Projekt niemals eine Chance gehabt», ist Kupferschmid überzeugt.

Heute empfindet sie Stolz, so ein Projekt auf die Beine gestellt zu haben. Der schönste Erfolg sei für sie aber darin zu sehen, dass der Verein langsam wieder zusammenwachse. Und auch wenn es ihr noch nicht ganz leichtfällt abzuschliessen und sie sich noch vehement gegen die Abgabe des Schlüssels zur Dreifachhalle wehrt (lacht), fängt langsam aber sicher ein neues Kapitel an. Eines, in dem es gemäss Petra Kupferschmid auch etwas ruhiger zu- und hergehen darf. Eines, in dem sie vielleicht einfach einmal etwas nur für sich tut.

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