Rektor Herbert Binggeli erzählt im Interview, wie Netzwerke ihn in seinem persönlichen Alltag begleiten und wo er im Netzwerk der BFH noch Ausbaupotenzial sieht.
Herbert Binggeli, Rektor der Berner Fachhochschule, im Gespräch mit Besuchern des BFH-Tages.
Herbert Binggeli, Rektor der Berner Fachhochschule, im Gespräch mit Besuchern des BFH-Tages. Bild: Mauro Mellone

Wie sieht ein durchschnittlicher Arbeitstag von Herbert Binggeli aus?
Ich bin eher selten am PC. Ich bin vor allem mit Menschen unterwegs. Ein durchschnittlicher Arbeitstag ist mit Sitzungen, Besprechungen oder Telefonaten durchgetaktet. Oft bin ich auch an anderen BFH-Standorten oder extern verabredet. An den Abenden kommen häufig Veranstaltungen hinzu, die ich – wenn immer möglich – besuche.

Wie verstehen Sie den Begriff «Netzwerkpflege»?
Netzwerke entstehen spontan, informell oder auch formell. Im beruflichen Kontext geht man gemeinsam mit anderen Themen an, wobei jede Person ihre Spezialisierungen einbringt, weil sie sich mit diesem oder jenem Thema näher befasst. Man tauscht sich aus, manchmal in offiziellem Rahmen, manchmal an einem Mittagessen oder Abendveranstaltungen. Man begegnet sich wieder. So kann gegenseitig Vertrauen aufgebaut werden.

Welchen Anteil nimmt die Pflege von Netzwerken in Ihrem Arbeitsalltag ein?
Wenn ich an die externe, formelle Netzwerkpflege denke, zum Beispiel mit Verwaltungsstellen, der Privatwirtschaft oder Politik, dann sind es sicher ca. 20 Prozent meines Arbeitspensums. Hinzu kommt natürlich die Pflege weiterer Beziehungen, zum Beispiel der Austausch mit Mitarbeitenden aus der BFH.

Wie halten Sie es mit Social Media?
Ich habe viele Kontakte auf LinkedIn und das war durchaus auch schon hilfreich. Ich wollte zum Beispiel schon mit Personen in Kontakt treten, von denen ich die E-Mail-Adresse nicht hatte oder deren Telefonnummer ich nicht kannte. Über LinkedIn gelang es mir, die Personen zu erreichen. Ich bin aber immer noch hauptsächlich analog, also persönlich unterwegs.

Waren Sie schon immer ein guter Netzwerker? Und wenn ja, haben Sie für weniger routinierte Netzwerker einen Tipp?
Man sollte offen und freundlich auf Menschen zugehen. Umgekehrt sollte man den Menschen die Möglichkeit bieten, mit einem selber in Kontakt zu treten. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man Menschen kennenlernt, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Man sollte nicht immer nur lobbyieren und fordern. Es geht vielmehr um den Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses, im Rahmen dessen dann vielleicht auch einmal ein Anliegen platziert werden kann.

Ich selbst musste die Netzwerkpflege durchaus auch ein wenig entwickeln. Das muss reifen können, man wächst da auch ein Stück weit hinein. Da ich mittlerweile seit 26 Jahren in leitenden Funktionen im Bildungsbereich tätig bin, habe ich mir ein recht grosses Netzwerk aufbauen können.

Die BFH gründet ihre Stärke gemäss Strategie auf die Vielfalt und die Vernetzung der Disziplinen. Gelingt diese (interne) Vernetzung bereits ausreichend?
Ich glaube, wir sind gut unterwegs. Was wir aus meiner Sicht noch besser machen könnten, ist die Vernetzung unserer Netzwerke (lacht). Wir alle haben ja Netzwerke: die Dozierenden, die Forschenden, die Departementsleitenden, die Vizerektor/innen … All diese Beziehungsnetze miteinander zu verknüpfen, damit man noch etwas besser voneinander weiss, wer wie vernetzt ist, fände ich gut.

Welche Rolle spielen die Standortkonzentrationen für die interne und externe Vernetzung?
Zurzeit ist die BFH im Kanton verteilt und jeder Standort pflegt Netzwerke mit der jeweiligen Region. Wenn wir die Standorte in Biel und Bern zentralisieren, dann besteht die Gefahr, dass die Vernetzung vor allem in diesen beiden Regionen passiert. Es ist zwar durchaus wichtig, dass wir hier eine Rolle spielen und wahrgenommen werden, aber wir dürfen die anderen Regionen im Kanton nicht vergessen oder vernachlässigen. Darauf arbeiten wir gezielt hin. Die FHL hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Präsenz der BFH in den verschiedenen Regionen beschäftigt.

Für die interne Vernetzung und das studentische Leben sind die Standortkonzentrationen ein grosser Vorteil, das ist keine Frage.

In welchem Bereich kann die BFH ihr Netzwerk noch ausbauen?
In der Politik sind wir meines Erachtens gut vernetzt. Ich kenne die Regierungsräte und pflege mit mehreren Gross- und Nationalräten enge Beziehungen. Das ist wichtig, damit wir die Politikerinnen und Politiker für unsere Anliegen sensibilisieren können, heisst aber nicht, dass es nicht trotzdem zu Interpellationen, also zu kritischen Nachfragen im Parlament kommen kann.

Wo wir dranbleiben müssen, sind meiner Meinung nach die Medienkontakte. Wir haben interessante Inhalte zu bieten und der Medienspiegel zeigt, dass wir mit diesen auch Beachtung finden. Wir müssen die Beziehungen zu den Journalistinnen und Journalisten deshalb weiter pflegen und sie proaktiv mit den spannenden Geschichten versorgen, an denen wir Tag für Tag arbeiten.

Sie sind persönlich auch ein international gut vernetzter Mensch, sind Mitglied in der Kommission Internationale Beziehungen von swissuniversities. Wie wichtig sind internationale Netzwerke für die BFH und warum?
Die BFH befindet sich sowohl in einem nationalen als auch in einem internationalen Wettbewerb. Wir müssen uns an anderen messen und brauchen deshalb den Austausch mit Hochschulen und Firmen im In- und Ausland. In internationalen Partnerschaften geht es immer auch darum, Kooperationen aufzugleisen. Wir haben beispielsweise gerade mit der Shenzhen Technology University eine Summer School zum Thema «New Energy Technologies» durchgeführt und auch in Europa pflegen wir starke Partnerschaften. Solche Beziehungen und Projekte bringen einen Mehrwert für Studierende und Mitarbeitende, sie erweitern den Horizont und bieten Möglichkeiten, voneinander zu lernen.

Sie treten nächstes Jahr zurück: Welches Netzwerk verfolgen Sie dann weiter?
Ich habe natürlich auch ein privates Netzwerk, zum Beispiel an meinem Wohnort. Personen, die ich kenne, Freunde, Familie. Ich will nach meinem Rücktritt aber auch Teile meines beruflichen Netzwerks auf freundschaftlicher Ebene weiterpflegen. Bis dahin ist es aber noch eine Weile. Vorerst freue ich mich, mich für die Weiterentwicklung der BFH einzusetzen.

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