Das Young Entrepreneurs Exchange Project (YEEP) bringt Studierende aus Industrie- und Schwellenländern zusammen, um unternehmerische Fähigkeiten zu fördern. Die Studierenden sollen eine Geschäftsidee in einem Startup-Umfeld entwickeln und über kulturelle Grenzen hinweg zusammenarbeiten.
Herzlicher Empfang für die BFH-Studierenden
Herzlicher Empfang für die BFH-Studierenden und das Team von Jacqueline Bürki an der Parul University in Indien. Bild: Kommunikation, Parul University

Zwei Wochen Indien: Die BFH-Studierenden werden von indischen Studierenden in farbenprächtigen Kleidern und unter Trommelgetöse an der Parul University empfangen. Sie nehmen am Young Entrepreneur Exchange Project (YEEP) teil, das gemeinsam vom Departement Wirtschaft der BFH und der Parul University als zweiwöchige Summer School in Gujarat durchgeführt wird. «YEEP bietet unseren Studierenden die Möglichkeit, Einblick in das indische Geschäftsumfeld und die indische Kultur zu erhalten», erklärt Jacqueline Bürki, Leiterin des International Office des Departements Wirtschaft und Koordinatorin von YEEP. «Im Vordergrund des Programms stehen die Förderung unternehmerischer Fähigkeiten, das interkulturelle Lernen und die Sensibilisierung für Schwellenländer.»

Kultureller Austausch als Warm-up

Die YEEP-Teilnahme steht allen Studierenden beider Hochschulen offen. In der ersten Woche der Summer School geht es darum, sich kennenzulernen. Dozierende der Hochschulen geben den Studierenden Input-Sessions zu verschiedenen Themen wie Marketing, Branding, Finanzen oder interkulturelles Lernen. «Am Anfang ist die Stimmung wie in einer Flitterwoche», lacht Bürki. «Alle sind begeistert über den Austausch. Wir lernen etwas über die religiöse Vielfalt im Land, über die indische Küche oder das Holi-Fest, bei dem sich die Inderinnen und Inder mit Farbpulver und Wasser überschütten. Vor allem aber lernen wir die Projekte der indischen Studierenden kennen und erfahren, wie sie ein Unternehmen gründen möchten.» Natürlich würden die BFH-Studierenden ihren Gastgebern auch ihre Kultur näherbringen, fährt Bürki fort. Etwa, indem sie ihre Traditionen, Essgewohnheiten und den Bezug zur Religion aus Schweizer Sicht erklären.

Von der Jeans zum Anzug

Studierende in der YEEP International Summer School
In der YEEP International Summer School in Gujarat entwickeln BFH Studierende gemeinsam mit indischen Studierenden deren Geschäftsideen weiter. Bild: Kommunikation, Parul University

In der zweiten Woche geht’s zur Sache. Die Teilnehmenden entwickeln in gemischten Gruppen Geschäftsideen der indischen Studierenden weiter und präsentieren diese lokalen Investoren. Dabei werden sie von Dozierenden beider Institutionen und von Vertreterinnen und Vertretern der Industrie gecoacht. «Die BFH-Studierenden übernehmen die Rolle der Beraterinnen und Berater. Sie können die indischen Studierenden mit ihrem betriebswirtschaftlichen Wissen und ihrer Berufserfahrung unterstützen. Gleichzeitig lernen sie von ihren indischen Kolleginnen und Kollegen einiges über das indische Startup-Umfeld», erklärt Bürki.

Für die Studierenden stelle dies teilweise eine grosse Herausforderung dar. Sie erinnert sich an eine Gruppe, die ein regionales Medizintourismus-Konzept erarbeiten sollte. Die BFH-Studierenden brachten immer wieder Ideen ein, für diese Vorschläge waren die indischen Studierenden aber nicht offen. Weil sie ihre Geschäftsidee schützen wollten, teilten sie ihrerseits nicht alle Projektinformationen mit den BFH-Studierenden. Schliesslich zogen sich die BFH-Studierenden aus dem Projekt zurück. An einer Übungspräsentation vor den Investoren erschienen sie in Jeans, die indischen Studierenden hingegen im Anzug. Die Investoren merkten, dass die Gruppe nicht zusammengearbeitet hatte. «Auch wir haben die Situation beobachtet und schliesslich das Gespräch mit den Studierenden gesucht», erzählt Bürki. Ihr Ziel sei es gewesen, die Studierenden so zu unterstützen, dass sie ihr Problem selbstständig erkennen und lösen konnten. Nach längerer Diskussion kamen sie zum Schluss, dass vor allem das gegenseitige Zuhören und Einfühlungsvermögen verbessert werden müsse. Schliesslich habe sich die Gruppe wiedergefunden und mit einem souveränen Auftritt den Preis bei den Investoren gewonnen. «Dies war ein unglaubliches Highlight für uns», freut sich Bürki.

«It’s not a problem. We make a plan.»

Die Kooperation mit der Parul University ist auch für Jacqueline Bürki inspirierend. Der Rektor der Universität sei sehr engagiert und innovativ. Er habe ihr gezeigt, dass man mit Willen und einem offenen Mindset viel bewirken könne. «In der Schweiz sind wir manchmal sehr träge, wenn es um Innovationen geht. Wir haben viele Gesetze und Vorschriften, die das Umsetzen von Ideen verlangsamen oder aufwendig machen», findet Bürki. In Indien laufe hingegen vieles nach dem Motto: «It’s not a problem. We make a plan.»

Aufgrund dieser Haltung gibt es laut Bürki aber manchmal auch herausfordernde Situationen. «Meine indischen Kolleginnen und Kollegen kommunizieren nicht immer offen mit mir», erklärt sie. Wenn sie betreffend YEEP eine Idee einbringe, erhalte sie von ihnen oft die Antwort, dass alles kein Problem sei. In Wirklichkeit sei die Idee aber schwierig umzusetzen oder koste Geld. «Ich habe deshalb versucht, ihnen zu erklären, dass es auch okay ist zu sagen, wenn etwas nicht geht», betont Bürki.

Zusammenarbeit weiter ausbauen

Bürki und ihr Team haben die Zusammenarbeit mit der Parul Universität in den letzten Jahren weiter ausgebaut. Neu erhalten die indischen Studierenden die Möglichkeit, an der Winter School «Innovation Management and Change Management» teilzunehmen. Das Schweizer Bildungssystem sei in Indien hoch angesehen, deshalb seien diese Kurse bei den Studierenden der Parul University begehrt, meint Bürki. Auch im Bereich Forschung konnte die Zusammenarbeit zwischen dem Departement Wirtschaft der BFH und der Parul University weiterentwickelt werden. «Es freut mich, dass sich nicht nur die International Offices beider Hochschulen austauschen, sondern vermehrt auch die Forschenden und Dozierenden untereinander», sagt Bürki. «Für mich ist die Zusammenarbeit mit Indien eine grosse Bereicherung. Sie hat mich gelehrt, dass aktives Kommunizieren und Zuhören entscheidend ist für eine erfolgreiche interkulturelle Zusammenarbeit.»

Young Entrepreneur Exchange Project (YEEP)

Das Young Entrepreneur Exchange Project (YEEP) wurde 2013 als Initiative von der Universität Hawassa in Äthiopien, der Business Machine und der Berner Fachhochschule ins Leben gerufen, um unternehmerisches Handeln und interkulturelles Lernen zu fördern sowie Startup-Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern zu unterstützen. Aufgrund der instabilen politischen Lage in Äthiopien schloss das Departement Wirtschaft der BFH 2016 einen neuen Partnervertrag mit der Parul Universität in Indien ab und richtete das Programm neu als Summer School in Gujarat, Indien aus. Die Teilnahme an der Summer School steht allen BFH Studierenden offen. Weitere Informationen über YEEP finden Sie hier.

Dieser Beitrag gefällt mir

5+

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Please enter your comment!
Ich habe die Kommentar-Regeln gelesen und bin damit einverstanden.
Please enter your name here