Gezielt eingesetzte Farben an den Wänden, Rückzugsorte, aber auch Begegnungszonen, die den Gedanken eines Dorfplatzes aufnehmen. Gärten, die zur Bewegung und Belebung der Sinne einladen – vielleicht mit Wasserelementen oder Kräutern. Angebote wie beim Kochen mitzuhelfen, im Garten zu arbeiten, in der Gruppe einen Erlebnispfad zu entdecken. All das und noch vieles mehr könnten Elemente sein, um ein gesundes, nachhaltiges Heim zu gestalten – das Ziel des Projekts «Allegra».
Gesundheitsförderung in Heimen

Allegra ist ein Forschungsprojekt des Departements Gesundheit der Berner Fachhochschule in Kooperation mit RADIX Schweizerische Gesundheitsstiftung, das Heime, zum Beispiel Alters- und Pflegeheime, aber auch Heime für Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen dabei unterstützt, sich gesundheitsförderlicher auszurichten. «Ein gesundes Heim ist eines, das für die psychosoziale Gesundheit der sich darin bewegenden Menschen sensibilisiert ist, sowie auch für andere wichtige Themen des Alltags, zum Beispiel Ernährung, Bewegung oder soziale Teilhabe», sagt Prof. Dr. Eva Soom Ammann, Co-Leiterin des Projekts. Zentral beim Projekt Allegra sei dabei, dass das Heim als Ganzes angeschaut und sowohl die Lebensqualität und Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Situation der Menschen, die in Heimen arbeiten, verbessert werde.

Partizipativer Ansatz

Das Projektteam verfolgt einen partizipativen Ansatz. Das heisst, es bietet Heimen Elemente der Organisationsentwicklung wie Bedarfsabklärungen, Workshops, Bildungs- oder Coachingelemente an – immer mit dem Ziel, Heimleitungen, Belegschaften und Bewohnende dabei zu unterstützen, sich selbst zu helfen. Also eigene Ideen und Konzepte zu entwickeln, die für sie und ihre Situation stimmig sind. Dies sei wichtig, betont Eva Soom Ammann. Es gehe nicht darum, top down etwas durchzusetzen, sondern optimale Bedingungen zu schaffen, die einerseits der Selbstbestimmung des Einzelnen Raum geben, andererseits aber auch das Allgemeinwohl im Sinne eines solidarischen Grundverständnisses fördern. Ausserdem gebe es kein Schema X, wie ein gesundes Heim genau auszusehen habe, führt die Projektleiterin aus. Es bestünden viel mehr unterschiedliche Ansätze, die ganz individuell ausgestaltet werden könnten. «Wichtig ist nur, dass das Ganze umfassend angegangen und mit einem in sich stimmigen Konzept partizipativ umgesetzt und nachhaltig in der Organisation verankert wird», betont Soom Ammann.

Nachhaltig angelegt

Bereits seit drei Jahren arbeitet das Team, bestehend aus Forschenden des Departements Gesundheit und erfahrenen Fachpersonen von RADIX Schweizerische Gesundheitsstiftung, nun an Allegra. «Am Anfang hatten wir viel Grundlagenarbeit zu leisten», sagt Eva Soom Ammann. Es gebe in der settingbasierten Gesundheitsförderung bereits viele gute Ansätze, welche das Team für das noch wenig bearbeitete Setting «Heim» so aufbereiten wollte, dass sie niederschwellig und bedarfsgerecht weitergenutzt werden können. Bereits früh seien ausserdem die unterschiedlichen Stakeholder, die in einem Heim aufeinandertreffen, zur Bedürfnisklärung einbezogen worden.

Gesundheitsförderung im Allgemeinen und Allegra im Speziellen hätten auch sonst viel mit Nachhaltigkeit zu tun, erklärt Eva Soom Ammann. Denn Gesundheit beeinflusse fast alle Bereiche des Lebens und sei deshalb eng verbunden mit nachhaltiger Entwicklung. Man wisse heute zudem, dass Menschen nicht dazu diszipliniert werden können, sich zu verhalten, wie es ein System gerne hätte, sondern dass man sie für eine Sache gewinnen und mit unterschiedlichen Anreizen zu gesundheitsförderndem Verhalten animieren müsse. Der entscheidende Gedanke sei deshalb weniger, Menschen in einem Heim umfassend zu versorgen, sondern sie darin zu unterstützen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst aktiv zu werden und ein gutes Leben zu führen.

Noch keine Finanzierung sichergestellt

Die Finanzierung für die Umsetzung des Projekts steht im Moment noch nicht. Das könne unterschiedliche Gründe haben, meint Soom Ammann. Etwa dass viele Geldgeber im Moment eher in den ambulanten Pflegebereich investierten und weniger in den stationären. Im Moment stünden die Zeichen aber gut für Allegra, da eine Strategie des Bundes aktuell genau darauf fokussiere, Gesundheitsförderung in der Gesundheitsversorgung zu machen.

So oder so, betont Eva Soom Ammann, sei sie dem Projekt gegenüber positiv eingestellt. Allegra sei durchdacht, nachhaltig ausgelegt und innovativ. Heime hätten ausserdem einen hohen Innovationsbedarf, und dies nicht nur aus ökonomischen Gründen, sondern auch wegen steigender Ansprüche an die Qualität der Heimversorgung und die Gewährung von Autonomie und Selbstbestimmung. Sollte das Projekt trotzdem nicht realisiert werden können, war die Arbeit nicht umsonst. «Wir würden auch in diesem Fall weiter kommunizieren, warum so etwas wichtig ist, und stellen die bisher erarbeiteten Materialien öffentlich zur Verfügung», unterstreicht Soom Ammann.

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