Sie ist Vizerektorin Forschung und hat sich für mehr «Visibilität» ausgesprochen. Prof. Dr. Corina Caduff im Gespräch über die Sichtbarkeit der Berner Fachhochschule.
Corina Caduff, Vizerektorin Forschung, Berner Fachhochschule
Corina Caduff, Vizerektorin Forschung, an der Berner Fachhochschule. Bild: zvg

Corina Caduff, eine kurze Begriffsklärung. Was verstehen Sie unter «Visibilität» genau?
Allgemein gesehen steht dieser Begriff für Sichtbarkeit, für den Wunsch, gesehen werden zu wollen. Das ist zunächst etwas zutiefst Menschliches: Wir alle streben nach Wahrnehmung und Anerkennung. Dieses Bedürfnis zeigt sich zuallererst beim Kind, das «lueg, lueg» ruft und Zuspruch für ein gesundes Selbstwertgefühl benötigt, und es setzt sich später in anderen Formen fort.

Auch an der BFH wollen wir mit dem, was wir machen, gesehen werden. Dabei geht es primär um die Akquise von Studierenden und Praxispartnern. Im Weiteren aber auch um Transparenz und Informationsaustausch.

Inwiefern?
Indem etwas visibel ist, wird es zugänglich. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Transparenz gegenüber der Gesellschaft. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, was wir an der BFH machen und leisten. Je transparenter wir sind und je mehr Zugänge wir schaffen, desto besser.

Auch der Informationsaustausch ist zentral, gerade BFH-intern. Ich stelle durchaus den Wunsch nach mehr BFH-Identität fest. Mit unseren acht Departementen haben wir eine unglaubliche fachliche Breite. Diese Diversität ist ein tolles Kapital, ihre Sichtbarmachtung ist Teil der BFH-Strategie. Die Förderung der inter-departementalen Vernetzung und Zusammenarbeit ist entsprechend wichtig.

Können Sie positive Beispiele nennen? Wo ist die BFH Ihrer Meinung nach heute schon visibel?
Der tägliche Medienspiegel oder die Besuchszahlen von zahlreichen Veranstaltungen belegen klar, dass wir bereits gut wahrgenommen werden. Das Living Lab der Medizinalinformatik in Biel ist in den Medien ausserordentlich populär, es wird über Forschung zum Fachkräftemangel in der Gesundheit berichtet, über Bewässerung im Ackerbau, über Kunstprojekte der HKB, und, und, und. Solche Einzelprojekte sind sehr präsent. Aber es braucht eine stärkere Visibilität der BFH als Dachmarke, das ist die grosse Herausforderung.

Was machen Sie aktuell am Vizerektorat Forschung für die Sichtbarkeit?
Wir fördern inter-departementale Projekte über thematische Calls. Aktuell führen wir gerade eine Revision der Förderinstrumente durch, um zu schauen, wie departementsübergreifende, innovative Ideen noch gezielter gefördert werden können. Die sieben BFH-Zentren, die auch mit dem Ziel einer verstärkten Sichtbarkeit der BFH-Forschung eingerichtet wurden, werden zurzeit evaluiert.

Zudem haben wir das BFH-interne Vernetzungs-Format «BFH Soirée Surprise» eingerichtet, welches Forschende aus verschiedenen Departementen auf unkomplizierte Weise zusammenbringt. Man weiss dabei im Voraus nicht, auf wen man trifft. Die Soirée ist schon ziemlich beliebt.

Und ich hoffe, dass das Repositorium ARBOR, das nun an der BFH für künftige Open Access-Publikationen der BFH implementiert wird, dann auch zu mehr Visibilität beiträgt.

Wo sehen Sie die aktuellen Herausforderungen?
In unserer Diversität. Wie kann man Wiedererkennbarkeit herstellen, wenn man fachlich so breit aufgestellt ist?

Einerseits ist es unumgänglich, dass sich jedes Departement selbständig in seinen Fachbereichen entwickelt und sich konkret überlegt, wie es bei Studierenden und den spezifischen Branchen zu mehr Visibility kommt. Andererseits gilt es die Dachmarke BFH sichtbarer zu machen. Das sehe ich als wichtige Aufgabe der Kommission Forschung, und daran arbeiten ja auch die verschiedenen anderen Kommissionen der BFH: Die Kunst besteht darin, kluge Verstrebungen zwischen dem Dach und den Departementsinteressen zu bauen. Die Verschränkungen müssen funktionieren, sonst fällt das Haus zusammen. Bloss keine hohlen Gerüste aufstellen, die nur sich selber tragen.

Was wäre ein Wunschszenario der Zukunft, wie können Sie die Dachmarke sichtbarer machen?
Ich denke zurzeit an einen grösseren öffentlichen Event «BFH – Zukunftsgesellschaft» irgendwo in der Stadt Bern, vielleicht auch in Biel. Einen Anlass, den man partizipativ und interaktiv aufziehen könnte und der gut kuratiert werden müsste. Die BFH forscht auf so vielen Gebieten, die äusserst gesellschaftsrelevant und zukunftsträchtig sind: Gesundheit, digitaler Holzbau, ökologische Ressourcen, ökonomische Modelle… – das interessiert alle, da könnte man was Grosses machen.

Und was kann jeder Mitarbeitende tun, um die Visibilität zu stärken?
Über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Sich klarmachen, was die BFH alles anbietet, wer alles dazu gehört, zu Veranstaltungen gehen, sich informieren: Was machen die Departemente? Was für Institute gibt es? Was passiert in den Studiengängen, für welche Berufe bilden wir eigentlich aus? Wie genau funktionieren nochmal die Batterien, die im BFH-Zentrum für Energiespeicherung entwickelt werden? Was für Praxispartner gibt es eigentlich in der Sozialen Arbeit? Es geht darum, hinzuhören, hinzuschauen, sich zu verorten, das Ganze weiterzutragen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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