Räucherstäbchen, Klangschalen und Yogamatten kommen in seinen Kursen nicht vor. Alexander Hunziker, Dozent für Glücks- und Verhaltensökonomie am Departement Wirtschaft, hat zwar nichts gegen diese Art von Hilfsmittel. Um sich in Achtsamkeit zu üben, brauche es diese Dinge aber nicht, ist er überzeugt.
Alexander Hunziker vermittelt Studierenden der Berner Fachhochschule Grundlagen in Achtsamkeit und Positiver Psychologie.
Alexander Hunziker vermittelt Studierenden der Berner Fachhochschule Grundlagen in Achtsamkeit und Positiver Psychologie. Bild: Julia Zosso

BFH Mindfulness Community

Mitarbeitende der BFH, die sich privat oder in der Lehre mit Achtsamkeit beschäftigen oder dies tun möchten, melden sich bitte bei alexander.hunziker@bfh.ch. Er ist daran, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen.
Kann ich als Dozent Entspannungsübungen mit der Klasse machen? Wo finde ich Forschungsresultate zu Achtsamkeit? Gibt es über Mittag ein Meditationsangebot? Auf diese und weitere Fragen kann ein Netzwerk gute Antworten geben, Interessen bündeln und Neues schaffen.

«Beim Thema Achtsamkeit geht es um einen Geisteszustand, der auch dann eingenommen werden kann, wenn man eine Krawatte trägt und am Bürotisch sitzt», sagt Hunziker. Achtsam sein heisse nämlich, im Moment präsent zu sein. Sich also geistig weder in der Erinnerung noch in der Zukunft aufzuhalten. Gleichzeitig sei es für eine achtsame Haltung wichtig, nicht zu werten. Denn Wertung sei ein Wahrnehmungsfilter, der eine Situation beziehungsweise die Art, wie jemand in einer Situation reagiert, massgeblich beeinflusse. Hunziker weiss: «Sobald man sich diese Tatsache bewusstmacht, eröffnet sich ein enormer Handlungsspielraum.»

Empirie und Trainingssessions

In seinen Kursen will der Dozent genau solche Erkenntnisse vermitteln. Er lehrt empirische Befunde aus dem Forschungsfeld der Positiven Psychologie und führt Trainingssessions durch, in denen die Teilnehmenden fundierte Grundfertigkeiten in Achtsamkeit und Positiver Psychologie erlernen.

Auf die Frage, wie so eine Trainingssession abläuft, erklärt Hunziker: «Ich sage den Teilnehmenden zum Beispiel, dass sie eine Minute lang einfach da sein sollen.» Ohne näher darauf einzugehen, stoppe er die Zeit und schaue, was passiert. «Viele der Kursteilnehmenden merken bei dieser Übung, dass die zunächst einfach anmutende Aufgabe de facto alles andere als einfach ist», sagt Hunziker. Sie nähmen vielleicht ein Geräusch wahr oder merkten, dass der Stuhl nicht so bequem ist. Oftmals schweiften die Gedanken dann aber rasch ab. All dies wahrzunehmen, wohlwollend und ohne zu werten, darum gehe es. Als Kursleiter sei es seine Aufgabe, die Teilnehmenden ihre eigenen mentalen Reaktionen beobachten zu lassen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie alternativ reagieren könnten.

Aufmerksam durchs Leben

Bei den Studierenden stossen die Ansätze auf Anklang. Während sich letztes Jahr 17 Studierende für das Modul «Achtsamkeit und Positive Psychologie» eingeschrieben hatten, waren es dieses Semester bereits 30. In der heutigen Arbeitswelt, die von Mitarbeitenden grosse Flexibilität und Belastbarkeit fordert, könnten solche Ansätze ein Hilfsmittel sein, brenzlige Situationen besser zu bewältigen, begründet Cristian Martinez sein Interesse. Seine Studienkollegin Martina Romo bestätigt: «Ich habe schon festgestellt, dass mir das Meditieren bei der Stressbewältigung hilft und mich hinterher wieder fokussierter arbeiten lässt.» Beide möchten das Gelernte auch künftig in ihren Alltag einfliessen lassen. Sie nehmen sich vor, aufmerksamer durchs Leben zu gehen. Intensiver wahrzunehmen, was um sie herum passiert. Auf die Frage, wie das konkret aussehen könnte, antwortet Cristian: «Ich kann mir vorstellen, hin und wieder eine Gehmeditation durchzuführen. Beispielsweise auf dem Weg ins Büro einen Moment lang bewusst den Körper und die Umgebung zu spüren – die Füsse, die Haut, den Boden.»

Wirtschaftlich von grosser Bedeutung

Wissenschaftler belegen seit den 80er-Jahren, dass Menschen, die solche Haltungen einüben, weniger Stresshormone ausschütten und damit ein gesünderes Leben führen. Aus diversen Studien geht ausserdem hervor, dass dieselben Menschen besser verhandeln, sich in Teams sozialer verhalten und kreativer sind. Eigenschaften, die sich jede Führungsperson von den Mitarbeitenden wünscht. Alexander Hunziker ist deshalb überzeugt, dass das Einnehmen einer achtsamen Haltung vermehrt eingeübt werden und in den Arbeitsalltag einfliessen sollte. Und er geht noch einen Schritt weiter, indem er sagt: «Wenn ich nur eine einzige Sache schulen dürfte, wäre es die Fähigkeit zu meditieren und damit den Zugang zu den eigenen positiven Ressourcen herzustellen.»

Schritte zu mehr Lebensqualität

  1. Es ist schönes Wetter. Etwas Kleines, scheinbar Banales aber Angenehmes passiert: Wieviel Zeit nehmen Sie sich normalerweise, um das zu geniessen?
    Alexander Hunziker empfiehlt 20 Sekunden. Das sind 18 Sekunden mehr, als sich die meisten im Normalfall nehmen. Und genau hier kommt die Positive Psychologie ins Spiel. Die Fähigkeit, Freude an den scheinbar kleinen Dingen des Lebens zu haben, kann nämlich trainiert werden wie ein Muskel.
  2. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, dem empfiehlt Alexander Hunziker Apps wie z.B. 7Mind, Headspace oder Simple Habit.
  3. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema schlägt der Dozent einen Kurs in Mindful-Based Stress Reduction (MBSR) vor. Weitere Informationen dazu unter: www.mbsr-verband.ch

Weiterbildungen an der BFH

An der Berner Fachhochschule werden zum Thema folgende Kurse angeboten:

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