Eine Videoskulptur, die den Betrachtenden aktiv zur Interaktion auffordert? «Komm, sprich mit mir» ist ein partizipatives Werk des Künstlers Frantiček Klossner. Es entstand zum Jubiläum «50 Jahre BFH Wirtschaft» im Dialog mit Studierenden, Mitarbeitenden sowie prominenten Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur.
Der Künstler und sein Werk
Der Künstler und sein Werk: Frantiček Klossner mit interaktiver Videoskulptur. Bild: Julia Zosso

Frantiček Klossner ist als Künstler in den Bereichen Video und Installation international bekannt und mit seinen Werken in zahlreichen namhaften Sammlungen vertreten. In einem kleinen Pensum ist er auch an der BFH als Dozent an der Hochschule der Künste Bern tätig. In seinem multimedialen Schaffen stellt er gern den Menschen ins Zentrum. Den Menschen mit seinen Schwierigkeiten und Schwächen. Den Menschen in seiner Schönheit und Unvollkommenheit. Den Menschen der Gegenwart im stetigen Wandel der Zeit.

«Komm, sprich mit mir»

Um die Menschen und den Wandel geht es Klossner auch bei seiner Videoskulptur mit dem Titel «Komm, sprich mit mir», die zurzeit im Eingangsbereich zur Aula der BFH Wirtschaft zu sehen ist. Die Skulptur soll den Strategieprozess des Departements und die damit verbundenen Veränderungen auf eine unkonventionelle und sinnliche Art und Weise begleiten – partizipativ, unter Einbindung und im Dialog mit den Mitarbeitenden der BFH-W.

Zu Beginn des Kunstprojekts formulierte der Künstler in Zusammenarbeit mit einer Projektgruppe, bestehend aus Daniela Ambühl, Anja Habegger, Malika Garchi, Benjamin Adriaensen und Ruth Gilgen Hamisultane, einen Fragenkatalog zur Zukunft und Gegenwart der BFH-W. Zentral waren dabei Themen wie die digitale Transformation oder deren Einfluss auf die Vermittlung von Bildung. Mit solchen Fragen wurden Mitarbeitende, Studierende, Alumni sowie prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik eingeladen, vor laufender Kamera ein persönliches Statement abzugeben. «Unser Ziel war es, eine Vielzahl von Einschätzungen anzustossen, das BFH-Team zum Reden zu bringen und ein Stimmungsbild zu erstellen, das von sehr persönlichen Stellungnahmen lebt», erklärt Klossner. Er wollte die Menschen aus dem Umfeld der BFH-W einbinden, von ihren Wünschen und Vorstellungen erfahren und all diesen Stimmen mit seiner Videoinstallation eine poetische Plattform bieten.

Bildhauerei des 21. Jahrhunderts

50 Partizipierende folgten der Einladung des Künstlers, darunter die bekannte deutsche Philosophin und Bestsellerautorin Rebekka Reinhard, der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried und der Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann. In Zusammenarbeit mit dem Kameramann Tom Bernhard entstanden 77 Videoaufnahmen, die der Künstler gemeinsam mit dem Filmemacher Adrian Perez und dem Programmierer Daniel Schwab für die interaktive Präsentationsform aufbereitete.

Parallel zu den Dreharbeiten, die sich über mehrere Wochen erstreckten, erstellte Klossner eine Skulptur, die als Bildträger für die Videoprojektionen dient. Die hyperrealistische Figur zeigt einen Studenten, der entspannt auf einem Sockel sitzt. Sein Gesicht dient als Projektionsfläche für die ausgewählten 77 Videostatements. Entstanden ist die 3 Meter hohe Skulptur in einem CNC-Roboter, ausgehend von einem photogrammetrischen 3D-Scan, bestehend aus 70 Einzelbildern. Als Modell für diese 3D-Aufnahmen wirkte der Schauspieler Ben Gageik, ein Student der BFH am Studiengang Theater an der Hochschule der Künste Bern mit. «Es war mir wichtig, dass die Statements zum digitalen Wandel ihre skulpturale Entsprechung finden und auf ein digital gefertigtes Abbild eines BFH-Studierenden projiziert werden», sagt Klossner.

Akustische Impulse

Die Videoskulptur fordert die Besucherinnen und Besucher in regelmässigen Intervallen dazu auf, mit ihr zu sprechen. Wer dieser Aufforderung folgt und seine Stimme ins Spiel bringt, wird mit einem Statement zur Zukunft der Hochschule, der Bildung und Digitalisierung belohnt. Es sind spontane, unterschiedliche und auch gegensätzliche Gedanken, die zum Weiterdenken anregen.

Diese Form von Interaktivität, bei der die Stimme des Publikums als aktives Zeichen der Teilhabe eingefordert wird, spielt in Klossners Videoinstallationen seit den 90er-Jahren eine zentrale Rolle. Der akustische Impuls als Schnittstelle zwischen Werk und Publikum faszinierte ihn bereits viele Jahre vor dem Aufkommen von Siri oder Alexa. Ob die Betrachterin oder der Betrachter ein banales «Hallo» ins Mikrofon hauche oder sich für ein paar Minuten auf ein künstlerisches Frage-Antwortspiel einlasse, sei für ihn zweitrangig. «Mir ist wichtig, dass die Besucherinnen und Besucher ihre eigene Stimme ins Spiel bringen und merken, dass sie damit die Welt verändern können», erläutert der Künstler lachend.

Weitere Informationen

Möchten Sie mehr über Frantiček Klossner erfahren? Besuchen Sie seine Website: www.franticek.com

Aktuelle Ausstellungen mit Werken von Frantiček Klossner:

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