Im EU-Projekt «Forwarder 2020» entwickelten vierzehn Partner aus sechs europäischen Ländern eine neue Holzrückemaschine, die besser an die Bedürfnisse der Forstwirtschaft angepasst ist. Martin Ziesak, Forstingenieur an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) war massgeblich am Projekt beteiligt. Im Beitrag erzählt er, was es braucht, um in europäischen Netzwerken Erfolg zu haben.
Ingenieurinnen, Forschende und Forstdienstleister aus verschiedenen europäischen Ländern treffen sich, um den neu entwickelten Forwarder 2020 zu testen, hier gezeigt der Einsatz in Schottland.
Ingenieurinnen, Forschende und Forstdienstleister aus verschiedenen europäischen Ländern treffen sich, um den neu entwickelten Forwarder 2020 zu testen, hier gezeigt der Einsatz in Schottland. Bild: Janina Kouvaris, Steinbeis-Europa-Zentrum

Nach drei Jahren steht das Projekt «Forwarder 2020» vor dem Abschluss. Ziel war die Entwicklung einer innovativen Holzrückemaschine, die unter anderem weniger Treibstoff verbraucht, die Bodenbelastung reduziert und die Produktivität steigert. Ein modulares System soll der Kundschaft erlauben, die Ausstattung der Maschine je nach Bedürfnissen und lokalen Gegebenheiten selbst zu bestimmen. Beispielsweise kann ein Forstdienstleister in Schottland, der mit seinem Forwarder häufig auf nassen Böden arbeitet, die Triple-Bogie-Achse (ein Dreifachachsaggregat) als Modul kaufen. Dank des Allradantriebs lassen sich auf dem Triple-Bogie Bänder aufziehen, was den Einsatz selbst auf sehr nassen Böden ermöglicht. Ausserdem ist die Radkonfiguration beim Triple-Bogie wegen der niedrigeren Radlast pro Rad aussergewöhnlich bodenschonend.

Initiator des Projekts war die Firma Hohenloher Spezial-Maschinenbau (HSM) aus Deutschland. Als mittelständisches Unternehmen hat HSM nur begrenzte Ressourcen, um Innovationen im Alleingang voranzutreiben. Um das Projekt «Forwarder 2020» zu realisieren, schloss sich HSM deshalb mit zahlreichen Partnern aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen: sechs Komponentenhersteller, vier Hochschulen, drei Forstdienstleister sowie als Innovationsberater das Steinbeis-Europa-Zentrum in Deutschland. Gemeinsam entwickelten sie fünf innovative Module, die auf zwei Forwarder-Prototypen verbaut wurden. Das Projekt wurde über das EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon2020 gefördert. Das Gesamtbudget betrug 3 Mio. Euro.

Erfolgreicher Projektantrag dank persönlicher Beziehungen

Studierende der HAFL sind aktiv bei den Geländetests des neu entwickelten Forwarders eingebunden.
Studierende der HAFL sind aktiv bei den Geländetests des neu entwickelten Forwarders eingebunden. Sie fertigen darüber ihre Semesterarbeiten oder BSc-Thesen und erhalten so Einblick in das Forschungsprojekt «Forwarder 2020». Bild: Michael Starke

Martin Ziesak, Forstingenieur an der HAFL, war an der Ausgestaltung des Projekts beteiligt. «Ich kannte den Eigentümer der Firma HSM bereits aus einem früheren EU-Forschungsprojekt. Er hat sich an die erfolgreiche Zusammenarbeit mit uns erinnert und kam persönlich an die HAFL, um die Projektidee «Forwarder 2020» mit mir zu besprechen.» Gemeinsam mit dem Steinbeis-Europa-Zentrum verfassten sie den Projektantrag.

Das Projekt ist für Martin Ziesak und sein Forschungsteam nicht nur aus finanzieller Sicht attraktiv, es brachte ihn auch wissenschaftlich weiter. Unter anderem entwickelte er ein Monitoringsystem, mit dem die Betriebsdaten des Forwarders dokumentiert werden können und brachte so die Digitalisierung ins Projekt ein. Mit der Software lassen sich Effekte wie Kraftstoffverbrauch und Produktivität der Maschine nachweisen. Für die Firma HSM war dies ein Gewinn. Sie hat im Verlauf des Projekts erkannt, dass die Software-Komponente als Bestandteil des modernen Forwarders nicht mehr wegzudenken ist.

Netzwerkaufbau ist zeit- und kostenintensiv

Ziesak und sein Team waren im Projekt nicht nur für die Entwicklung des Software-Moduls zuständig, sondern begleiteten auch die Effizienznachweise der entwickelten Komponenten. Ausserdem leiteten sie die Praxistests der Prototypen in Deutschland und Schottland. «Die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort war sehr erfreulich. Alle zogen am selben Strang und waren motiviert, gemeinsam ein innovatives Produkt auf den Markt zu bringen», erzählt Ziesak. Die Partnerschaften mit Leuten aus der Forschung und der Praxis sind für ihn auch zukünftig interessant, denn daraus ergeben sich wieder neue Projektideen.

Um als Forscherin oder Forscher in einem grossen Netzwerk Fuss zu fassen, braucht es Zeit. «Es ist nicht die BFH, die mit Partnern verbunden ist. Es sind die Mitarbeitenden», meint Ziesak. «Um Netzwerke aufzubauen und zu pflegen, muss man seine Forschungsarbeiten an Tagungen, Konferenzen und persönlichen Treffen kontinuierlich nach aussen tragen. Diese Arbeit ist sehr zeit- und kostenintensiv und mündet oft nicht direkt in einem Erfolg. Man muss bereit sein, Vorarbeit zu leisten und darf das buchhalterisch nicht zu streng sehen. Nur so landet man am Ende in einem interessanten Konsortium und kann mitgestalten.»

Permanent aktiv sein

Ziesak ist es wichtig, dass er ein Team im Hintergrund hat, welches ihn bei der Arbeit unterstützt. Deshalb führt er gern jüngere Mitarbeitende und Studierende an seine Themen heran und gibt ihnen sein Wissen weiter. «Sie erhalten so die Chance, im Projekt mitzuwirken, sich weiterzuentwickeln und eigene Kontakte zu knüpfen. So entstehen Wissensketten», erklärt er.

«Fachhochschulen stehen immer auch im Konkurrenzkampf mit Universitäten. Diese haben oft mehr Mittel und Zeit, um Projektanträge zu verfassen. Um im Konkurrenzkampf mitzuhalten, ist es wichtig, dass die BFH ihre Mitarbeitenden diesbezüglich unterstützt», betont Ziesak. Er vergleicht den Aufwand, Netzwerke aufzubauen, mit dem Segelfliegen: «Wenn man in der Luft ist und fliegt, dann ist der Auftrieb da und es ist leicht, voranzukommen. Man muss aber ständig den Spannungsbogen aufrechterhalten, damit der Segelflieger nicht wieder auf den Boden sinkt.» Denn dann, so Ziesak, sei es schwierig, wieder abzuheben.

Angewandte Forschung: Modulare Weiterbildung

Wie gelange ich an ein Forschungsprojekt? Wer finanziert mein Projekt? Wie publiziere ich meine Ergebnisse? Forschende stehen immer wieder vor ähnlichen Aufgaben und Herausforderungen. In der modularen Weiterbildung geht das Vizerektorat Forschung diesen Fragen auf den Grund und bietet Forschenden an der BFH Inputs und Coachings für eine Karriere in der Wissenschaft.

Weitere Informationen: intranet.bfh.ch/forschungsweiterbildung

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