Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich als Wirtschaftswissenschaftlerin in der einzigen Hochschule der Schweiz lande, die auf Holz spezialisierte Ingenieure und Ingenieurinnen ausbildet.
Holzstatue

BFH Alltag: Die Kolumne von Mitarbeitenden für Mitarbeitende

«Ewiges Einerlei», so umschreiben verschiedene Synonymwörterbücher das Wort «Alltag». Dass der Arbeitsalltag an der BFH jedoch weit mehr ist als ein «ewiges Einerlei» und in Wirklichkeit unzählige Geschichten bereithält, die zum Schmunzeln oder Nachdenken anregen, davon erzählt diese Kolumne. In dieser Ausgabe: Timea Rusz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Holz, zum Thema: «Churchill und Rosetta».

Ein Text von Timea Rusz

Am Anfang meiner Karriere an der BFH-AHB meinte ich ziemlich naiv, dass Holz einfach ein schöner und traditioneller Baustoff ist, woraus man eventuell auch noch Möbel und Papiertaschentücher herstellen kann.

Als ich das mehrstöckige Holzgebäude zum ersten Mal betrat, war ich von der modernen Architektur schwer beeindruckt. Den ersten Kulturschock erlitt ich aber schon auf dem Weg zum Technologiepark. Man erzählte mir etwas von einem Bankraum und wir standen plötzlich in einer Werkstatt mit massiven Holztischen, was mit einem Finanzinstitut überhaupt nichts zu tun hatte. Die nächsten Überraschungen folgten schnell: Neben den verschiedenen Holzbearbeitungsmaschinen zeigte man mir Klimakammer, Holzschweissmaschine, riesige Prüfrahmen für Tragwerksprüfungen, mehrere Industrieroboter und Labors, die ich eher in einem Pharma-Unternehmen erwartet hätte. Und natürlich war da überall Holz, in allen möglichen Formen. Die Diskussionen unter Forschenden, die ich zufällig mitbekam, klangen für mich so, als würde ich den Nerds aus der Big Bang Theory zuhören. Ich wusste damals noch nicht, dass die AHB in Biel eines der wichtigsten Holzforschungszentren der Schweiz ist.

Inzwischen zucke ich nicht einmal mehr mit der Wimper, wenn ich jemandem an einem Infotag verdichtetes, mineralisiertes, flexibles oder künstlich vergrautes Holz, Kokosfaserplatten, bambusarmierte oder Schaumkern-Spanplatten näherbringen soll. Und mit Schwalbenschwanz assoziiere ich jetzt eher die Holzverbindung als den Vogel. Ich weiss, dass nicht nur die Eigenschaften der verschiedenen Holzarten unterschiedlich sind, sondern jedes Stück Holz ein Unikat ist. Und was mich am meisten fasziniert: Holz lebt. Es verhält sich quasi wie ein Schwamm und dehnt sich in einer feuchten Umgebung aus, abhängig von der Faserrichtung in unterschiedlichem Mass. Eine echte Herausforderung, wenn man millimetergenau arbeiten muss, wie es bei den #WOODVETIA-Holzfiguren der Fall war.

Wir bekamen im Sommer 2019 eine «eigene» Statue und durften vom Schöpfer der Holzfiguren viel Interessantes über den Entstehungsprozess erfahren. Unter anderem, dass die Statue von Gottlieb Duttweiler wegen der Zigarre oft mit Churchill verwechselt wird. Und wie kommt die Kometenmission Rosetta ins Bild? Ende November ist das Modell für eine andere #WOODVETIA-Statue, Kathrin Altwegg, als Gastreferentin in unserer Schule. Sie ist Chefwissenschaftlerin des Rosetta-Projekts, der bislang komplexesten Weltraummission Europas. Die Forschenden haben im Kometenstaub zahlreiche organische Verbindungen nachgewiesen. Wer weiss, vielleicht arbeiten wir einmal mit Weltraumholz?

Die Kolumnistin

Timea Rusz hat Germanistik, Übersetzungswissenschaften, Wirtschaft und allgemeine Ökologie studiert und arbeitet seit fünf Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Holz. Wenn sie sich gerade nicht weiterbildet, ist sie als Kostümdesignerin im Theater tätig.

Dieser Beitrag gefällt mir

5+

Beiträge, die Sie auch noch interessieren könnten:

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Please enter your comment!
Ich habe die Kommentar-Regeln gelesen und bin damit einverstanden.
Please enter your name here