Vom Philosophen und Schriftsteller Peter Bieri stammt der Satz: «Ausbilden können uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst». Gebildet zu sein bedeutet viel mehr, als ausgebildet zu werden: Wir bilden uns aus, um etwas zu können – dank Bildung arbeiten wir aber daran, etwas zu werden. Damit ist ein wesentlicher Wert der Bildung umrissen.

Heute stellt sich zunehmend die Frage, in welchem Bezug Bildung zum technischen Fortschritt, unter anderem zur Digitalisierung steht. Hilft uns Digitalisierung für gute Bildung? Ja und nein: Eindrücklich haben wir gesehen, wie digitale Medien uns bei der Entwicklung und Vernetzung von zumeist kognitiven Fähigkeiten und bei der Erweiterung unseres Wissens helfen können. Eine digitale Form der Ausbildung ist flexibel, effizient und auf individuelle Lebenslagen anpassbar. Sie ist Zeichen unserer Zeit. Der Mensch kann sich ortsunabhängig mithilfe neuer Technologien neues Wissen erschliessen.

Darüber hinaus steigern wir bei der Nutzung der digitalen Lehr- und Lerntechnologien ganz automatisch auch unsere digitalen Kompetenzen. So war es eindrücklich zu sehen, wie schnell die digitale Transformation in den letzten Monaten Fuss gefasst hat und zu einer neuen Selbstverständlichkeit geworden ist.

Doch dabei sollten wir es nicht bewenden lassen. Denn bei allen Vorteilen digitaler Lehr- und Lerntechnologien bleibt klar: Die Nutzung digitaler Hilfsmittel darf nicht zum Selbstzweck werden. Es geht nicht um die Technik, sondern um deren Nutzen für den Menschen. Und dieser ist ein soziales Wesen mit einem hohen Bedürfnis nach persönlichem Austausch.

Das ist auch für eine gute Bildung wichtig. Gespräche mit Gleichgesinnten, aber auch mit Andersdenkenden erweitern unseren Horizont, bringen uns nicht nur neues Wissen, sondern auch eine reflektierte Haltung. Damit entwickelt sich der Mensch: Er ist nicht nur gut ausgebildet, er wird zu jenem gebildet, der er werden kann. Gemeinsames Entwickeln von Lösungen, Austausch von Ideen und Positionen, Perspektivenwechsel, Erörtern und Argumentieren, Ausprobieren, Scheitern, Analysieren und wieder neu Ansetzen: Das sind Prozesse eines reflektierten Bildungsverständnisses, das bestrebt ist, nicht nur viel über vieles zu wissen, sondern auch das Denken zu lernen. Daran wird die Digitalisierung nichts ändern. Digitale Technologien sollen uns auf dem Weg der Bildung unterstützen. Sie sollen zu einer guten Bildung beitragen, indem sie Raum und Zeit schaffen, sich im Austausch mit anderen Menschen zu bilden.

Wie Bildung und Lehre im digitalen Zeitalter an der BFH heute aussehen und in welche Richtung sie sich noch entwickeln könnten, diesem Thema widmet sich die aktuelle Inside-Ausgabe.

Ich wünsche Ihnen, geschätzte Kolleg*innen, eine spannende Lektüre.

Prof. Dr. Sebastian Wörwag

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