«Ewiges Einerlei», so umschreiben verschiedene Synonymwörterbücher das Wort «Alltag». Dass der Arbeitsalltag an der BFH jedoch weit mehr ist als ein «ewiges Einerlei» und in Wirklichkeit unzählige Geschichten bereithält, die zum Schmunzeln oder Nachdenken anregen, davon erzählt diese Kolumne. In dieser Ausgabe: Jodok Läser, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Departement Soziale Arbeit, zum Thema: «Soziale Arbeit»

Vater und Tochter im Gespräch - Ein Text von Jodok Läser

Vater: Und weisst du schon, wie es nach der Schule weitergeht?
Tochter: Nicht genau. Ich weiss nur, dass ich etwas im Sozialen machen möchte.
Vater: Schön. Ich wusste, dass sich unsere humanistischen Werte und die frühkindliche Einübung sozialkritischer Perspektiven in deiner Berufswahl niederschlagen würden.
Tochter: Was?
Vater: Egal. Das wirst du dann schon noch verstehen und dankbar sein.
Tochter: Ja ja, schon gut. Die anderen machen halt alle auch etwas im Sozialen.
Vater: Also was meinst du denn eigentlich mit «im Sozialen»?
Tochter: Na so was wie du. Du bist doch bei der BFH Soziale Arbeit?
Vater: Genau, da sieht man schon der Bezeichnung an, dass es im Sozialen ist.
Tochter: Soziale Arbeit ist doch sozial, oder?
Vater: Hm, ja schon.
Tochter: Es würde ja nicht Soziale Arbeit heissen, wenn es nicht sozial wäre, oder?
Vater: Nun ja, ganz so einfach ist es nicht. Es heisst eigentlich nur, dass sich die Arbeit auf das Soziale, also die Gesellschaft bezieht.
Tochter: Also ein Sozialarbeiter ist gar nicht sozial?
Vater: Na ja. Die Bezeichnung meint nicht, dass es ein sozialer Arbeiter ist. Seine Arbeit spielt sich halt einfach im Sozialen ab.
Tochter: Ok, im Sozialen ist schon mal nicht schlecht. Ich will ja auch nicht einen auf Birkenstock und Wollsocken machen.
Vater: Schau, es gibt ganz viele soziale Dinge. Es gibt Sozialforschung, es gibt Sozialhilfe, es gibt Sozialpolitik. Was dort passiert, ist nicht unbedingt sozial. Die Sozialforschung ist nicht sozial, sie erforscht nur die Gesellschaft. Und die Sozialpolitik kann manchmal ganz schön unsozial sein.
Tochter: Also kann auch ein Sozialarbeiter ganz schön unsozial sein?
Vater: Man sagt halt Sozialarbeiter und nicht sozialer Arbeiter. Man will damit sagen, dass nicht der Arbeiter an sich gemeint ist. Sonst würde es soziale Forschung, soziale Politik oder soziale Hilfe heissen.
Tochter: Wieso heisst es dann soziale Arbeit? Also ist die Arbeit an sich gemeint?
Vater: Ja nein, hm, das würde ich so nicht sagen. Die Arbeit an sich kann manchmal ganz schön unsozial sein.
Tochter: Wie kann denn die Arbeit im Sozialen unsozial sein?
Vater: Also vielleicht nicht unsozial aber vielleicht für den Einzelnen nicht so sozial…hm, also zum Beispiel Zwang. Weisst du, also zum Beispiel… gewisse Leute muss man manchmal zu etwas zwingen, damit sie sich wieder in der Gesellschaft behaupten können.
Tochter: Na gut, dann werde ich halt eine soziale Darwinistin.

Der Kolumnist

Jodok Läser hat an der Universität Freiburg Sozialpolitik studiert und ist seit Anfang 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Departement Soziale Arbeit. Als Kolumnist ist er noch gänzlich ahnungslos, was er schätzt und nach Kräften beizubehalten sucht.

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