«Ewiges Einerlei», so umschreiben verschiedene Synonymwörterbücher das Wort «Alltag». Dass der Arbeitsalltag an der BFH jedoch weit mehr ist als ein «ewiges Einerlei» und in Wirklichkeit unzählige Geschichten bereithält, die zum Schmunzeln oder Nachdenken anregen, davon erzählt diese Kolumne. In dieser Ausgabe: Peter Zumstein, Kommunikationstrainer im Lern Center der BFH Gesundheit zum Thema: «Damit alles richtig sitzt».
Stühle

Damit alles richtig sitzt - ein Text von Peter Zumstein

Teamintern planen wir die Zukunft im «Campus der Zukunft». Wir schwadronieren über Lichteinfall und Privacy, über Crowding und Flexibility, wir googeln Work Spaces und übertrumpfen uns mit Must Haves. Ja, wir erträumen uns die besten multi use Arbeitsplätze in der besten aller Welten.

Hie und da holt uns die Banalität des Alltags ein. Gerade fokussieren wir uns auf die Anschaffung geeigneter Stühle für die Studierenden in den Kommunikationstrainings. Die billigen schwedischen tun es nicht mehr, die erschwinglichen aus der Designbörse verströmen zu viel Vintage-Aura, die teuren wirken zu designed. Solche Entscheidungsfindung erfordert Kommunikation auf Augenhöhe.

A propos Augenhöhe: Stellen Sie sich kurz Folgendes vor. Das Gesundheitspersonal steht am Fussende des Spitalbetts und vermittelt den Patient/innen, zu welchem Befund die Untersuchungen geführt haben. Was dabei auf der nonverbalen Ebene auch noch kommuniziert wird, geht häufig unter.

Zur erfolgreichen Kommunikation gehören neben der angepassten Sprache vielerlei andere Aspekte. Die Studierenden an der BFH Gesundheit werden beispielsweise dahingehend unterrichtet, dass sie sich je nach Kommunikationstraining zu den Simulationspatient/innen ans Bett setzen. Das Gegenüber spürt augenblicklich echtes Interesse an seiner Person. Gleichzeitig senden die Studierenden die Botschaft «ich nehme mir Zeit für Sie». Die Wirkung solcher Kommunikation auf Augenhöhe ist verblüffend und auf einfache Weise im Selbstversuch zu erfahren.

Aber zu viel Sitzen ist ungesund. Der beste Stuhl sei immer der, den man gerade verlassen habe und täglich solle man 10’000 Schritte gehen. So steht’s bei mir mahnend auf dem Office Desk. Rund 40 Schritte gehe ich vom Bürostuhl zum Wasserhahn in die Küche. Das habe ich empirisch dreimal ausgecheckt. Geschätzt müsste ich also täglich rund 125 Mal den Weg hin und zurück gehen, um auf 10’000 Steps zu kommen.

Alternativ könnte ich zu Fuss zur Arbeit kommen. Aber aufgepasst: 6,34 Fussgänger/innen verunfallen täglich auf Schweizer Strassen. Statt ins Spitalbett gehe ich dann doch lieber risikovermindert zu Fuss zur Küche und kreuze dabei die Studierenden. Einige tauschen sich untereinander aus und finden, dass die Kommunikationstrainings halt irgendwie nicht so ganz dem Alltag draussen entsprächen. Zugegeben, Simulation bleibt Simulation. Aber gut simuliert ist halb gewonnen. Wenn nämlich das Gesundheitspersonal durch konstruktives Feedback erfährt, wie wenig gesundheitsfördernd eine ungute Kommunikation sein kann, dann wäre mit Simulationen viel erreicht. Dafür würde ich sehr gern sehr viel Geld für sehr teure Stühle in wohldesignten Spitälern und Simulationsräumen, also unseren Work Spaces im Leben der Zukunft, ausgeben.

Der Kolumnist

Peter Zumstein arbeitet seit 2014 als Kommunikationstrainer im Lern-Center der BFH Gesundheit. Daneben tritt er als Schauspieler in Theaterprojekten, Performances und Filmen auf. 2010 schloss er seinen Master in «Scenic Arts Practice» (heute Master of Arts Expanded Theater) an der Hochschule der Künste Bern ab.

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